Chronik | Österreich
21.07.2018

Kampf um Therapie: „Alles tun, um Georgs Leben zu retten“

Video-Hilferuf einer Anwältin: Bub leidet an Muskelschwund, Spital will ihn nicht mit speziellem Medikament behandeln.

Anwälte kämpfen mit Schriftsätzen, Klagen, Anträgen. Üblicherweise jedenfalls. Dass sie soziale Medien nützen, um einen Klienten zu unterstützen, ist ungewöhnlich. Die Grazer Rechtsanwältin Karin Prutsch schlägt erstmals diesen Weg ein: In einer Videobotschaft bittet sie „alle Österreicher, mir und meinem Mandanten zu helfen“.

Dieser Mandant ist ein spezieller. Georg wird im September 13 Jahre alt. Als er elf Monate alt war, wurde spinale Muskelatrophie bei ihm diagnostiziert. Der Muskelschwund lähmt seinen Körper Stück für Stück . Ohne adäquate Behandlung stirbt der Bub. „Spinraza“ jedoch könnte ihn retten, davon sind Prutsch und Georgs Mutter Claudia Polic überzeugt. Das Medikament ist allerdings teuer, eine Spritze kostet 77.000 Euro. Georg bräuchte vier innerhalb eines Monats.

Die steirische Krankenanstaltengesellschaft (KAGES) will das Kind nicht behandeln. Prutsch wählte zunächst den juristischen Weg: Doch das Landesgericht zu Zivilrechtssachen wies zwei Anträge auf einstweilige Verfügung ab. Damit hätte die KAGES gezwungen werden sollen, Georg mit „Spinraza“ zu therapieren. Das Gericht folgte aber der Auffassung der Krankenhaus-Holding: Der Erfolg der Behandlung sei bei einem Patienten im Alter von mehr als zwei Jahren nicht nachweisbar.

Karin Prutsch kontert mit der Expertisen von Medizinern, die eine Therapie mit „Spinraza“ sehr wohl als zielführend erachten. Doch die Zeit dränge, betont sie: „Ohne Medikament droht die Verschlechterung von Georgs Zustand. Das kann jeden Moment passieren.“

Virales Video

Deshalb stellte sie ihren Appell Donnerstagabend online. „Wenn das irgendwelche berufliche Folgen haben sollte, nehme ich es in Kauf“, betont Prutsch. „Das Risiko gehe ich ein. Da geht es um ein Menschenleben.“ Freitagnachmittag war das Video auf Facebook 1000-mal bereits geteilt, 100.000 Menschen haben es gesehen.

„Ich will alles Mögliche tun, um Georgs Leben zu retten“, begründet Prutsch den für ihre Branche neuen Schritt. „Ich habe einfach die Befürchtung, dass uns die Zeit davon rennt.“ Sie wolle Spenden lukrieren, aber auch Druck aufbauen. „Mein Ziel ist, dass das eine politische Entscheidung wird und die KAGES angewiesen wird, Georg zu behandeln.“ Rechtlich kündigt sie an, die Abweisung der einstweiligen Verfügung beim Oberlandesgericht Graz zu bekämpfen.