Chronik | Österreich
20.07.2018

Videobotschaft soll krankes Kind retten

Keine Therapie für Zwölfjährigen: Anwältin will über soziale Medien Druck aufbauen.

Für eine Rechtsanwältin ist dies ein ungewöhnlicher Weg: Die Grazer Juristin Karin Prutsch wendet sich per YouTube-Video an „alle Österreicher, mir und meinem Mandanten zu helfen“. Es geht um den Fall des zwölfjährigen Georg, der an Muskelschwund leidet (der KURIER berichtete).

Ein seit dem Vorjahr in Österreich zugelassenes Medikament könnte dem Buben helfen, doch die steirische Krankenanstaltengesellschaft (KAGES) lehnt die Therapie ab. Mit zwei Anträgen auf einstweilige Verfügung beim Landesgericht für Zivilrechtssachen in Graz blitzte Prutsch vor kurzem ab, damit hätte die Behandlung erzwungen werden sollen. Doch das Gericht folgte der Auffassung der KAGES: Der Erfolg der Behandlung sei bei einem Patienten im Alter von mehr als zwei Jahren nicht nachweisbar.

Karin Prutsch kontert mit Expertisen von Medizinern, die die Behandlung mit „Spinraza“ sehr wohl als zielführend erachten. Doch die Zeit dränge, betont sie: „Ohne Medikament droht die Verschlechterung von Georgs Zustand. Das kann jeden Moment passieren.“ Jetzt schon sitzt der kleine Steirer im Rollstuhl, kann kaum schlucken, muss nachts beatmet werden. Prutsch will mit dem Video Spenden lukrieren, da die Behandlung mit „Spinraza“ teuer ist: Eine Spritze kostet 77.000 Euro. Doch auch öffentlicher Druck soll entstehen. „Ich hoffe, dass das eine politische Entscheidung wird und die KAGES angewiesen wird, die Behandlung durchzuführen. Da geht es um ein Menschenleben."