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Chronik Österreich
07/17/2019

Kampf gegen den Bahnlärm ist in Kärnten auf Schiene

Anrainer und Bürgerinitiativen fordern den Bau einer untertunnelten Bahnstrecke, um den Lärm in die Schranken zu weisen.

von Nikolaus Tuschar

Sie ist ein lange diskutiertes politisches Thema - die Bahnstrecke entlang des Wörthersee-Nordurfers. Früher galt sie als Aushängeschild und war als Fotomotiv beliebt, doch heute treiben die in immer dichteren Frequenzen fahrenden Züge die Anrainer in den Wahnsinn. Nun formiert sich Widerstand in Form einer Bürgerinitiative - sie fordert den Bau einer alternativen Strecke.

Steigende Frequenz & Kindergarten

Täglich rollen etwa 350 Züge entlang des dicht besiedelten Gebiets. 232 davon sind Güterzüge, die meistens bei Nacht fahren und mit bis zu 100 Dezibel den Schlaf der Anrainer stören. Die Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs liegt nur 10 Dezibel höher.

Brisant ist auch, dass in Pörtschach ein Kindergarten direkt neben der Bahnstrecke angesiedelt ist. Der ist zwar durch verglaste Lärmschutzwände geschützt, jedoch können auch die Wände den Schall nicht gänzlich abfangen. Problematisch, wenn man bedenkt, dass gerade bei Kindern die Ohren sehr empfindlich sind.

Beispiel Salzburg-Flachgau

Dagegen formierte sich nun eine Bürgerinitiative, die sich für eine Untertunnelung der Bahnstrecke am Beispiel des 2,3 Milliarden Euro teuren Projekts Salzburg-Flachgau mit 16,5 km Tunnelstrecke einsetzt. Die Initiatoren der Intitiative "Stop den Bahnlärm" orten hier eine Benachteiligung Kärntens und befinden, dass die Untertunnelung der Nordstrecke entlang des Wörthersees Priorität haben müsse.

Vor allem im Hinblick der Inbetriebnahme des Koralmtunnels, wird mit einer ständig steigenden Taktung der Züge zu rechnen sein. Es müsse also vorausschauend geplant werden.

20 Minuten am Bahnschranken

Die Bevölkerung ist vor allem wegen der Inbetriebnahme der Koralmtunnels besorgt. Dies bestätigte auch die Pörtschachs Bürgermeisterin Silvia Häusl-Benz (ÖVP): "Da gibt es natürlich massive Bedenken der Bevölkerung. Die Bürger des Ortes leiden schon jetzt unter den ständigen Rotphasen vor Bahnübergängen - die neuen Taktungen der Schranken bedeuten für Bürger eine Verzögerung von bis zu 20 Minuten, wenn sie zum Beispiel in Villach arbeiten."

Auf den Kindergarten neben den Gleisen angesprochen: " Natürlich ist es nicht ideal - wir haben aber mit verglasten Lärmschutzwänden einen akzeptablen Kompromiss gefunden. Auch mein Sohn besuchte diesen Kindergarten - es wird versucht, mit den Kindern recht oft in die Natur zu gehen, um den Lärmeinfluss so gering wie möglich zu halten."

Der Klagenfurter Gemeinderat Klaus Jürgen Jandl (Team Kärnten) sagt, man könne neben den Gleisen wegen des Lärms nicht einmal Interviews geben. Jandl: "Wenn man überlegt, dass sich in der Gemeinde Pörtschach der Kindergarten direkt an der Bahnstrecke befindet, eigentlich ein untragbarer Zustand. Hier muss das politische Hickhack ein Ende haben und im Sinne der Gesundheit der Bevölkerung gehandelt werden."

Verkehrsminister lud Bürgermeister der Region zu sich ein

Bereits im Mai dieses Jahres forderten Kärntner Bürgermeister der betroffenen Gemeinden beim damaligen Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) lärmentlastende Maßnahmen. Unter Ihnen auch die SPÖ-Stadtchefs Maria Luise Mathiaschitz (Klagenfurt) und Günter Albel (Villach). Aufgrund veralteter Infrastruktur kommt es in beiden Städten vermehrt zu Beschwerden wegen des Bahnlärms.

Auswirkungen auf die Gesundheit.

Die unmittelbaren Auswirkungen von Lärm auf den Organismus lassen sich physiologisch und kardiologisch festhalten. Forschungsergebnisse belegen, dass Bahnlärm ein besonders kritischer Risikofaktor ist, wegen der Dynamik mit welcher der Schall plötzlich auftritt. Das führt vor allem Nachts zur Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und kann unter Umständen auch zu Depressionen führen, sind sich führende Forscher einig.

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