Chronik | Österreich
06.06.2017

NATO-Panzerhaubitze unbewacht neben A2

Die Polizei stoppte den Transport des Kriegsgeräts, seitdem steht es auf einem Parkplatz.

Freunde von Kriegsgerät haben dieser Tage eine neu Pilgerstätte gefunden: Auf einem Parkplatz neben der Südautobahn bei Arnoldstein (Bezirk Villach-Land) steht eine NATO-Panzerhaubitze – unbewacht und im neutralen Österreich für Jedermann zugänglich.

Die skurrile Geschichte begann, wie der ORF berichtet, bereits am 30. Mai: Die italienische Panzerhaubitze PzH 2000 (Dabei handelt es sich um ein selbstfahrendes gepanzertes Artilleriegeschütz, das von den deutschen Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall produziert wird; die deutsche Bundeswehr erhielt in den Jahren 1998 bis 2003 185 Stück, Italien erwarb 70 Geschütze) sollte von einem Transportunternehmen aus Bozen nach Deutschland gebracht werden. Bei der "Einreise" nach Kärnten erfolgte eine Polizeikontrolle, die ergab, dass die zulässige Achslast des Sattelanhängers überschritten worden war.

In der Folge wurde der Sattelauflieger samt Kriegsfahrzeug vorübergehend auf einem Parkplatz für Sondertransporte an der Südautobahn bei Arnoldstein abgestellt. Die 50 Tonnen schwere PzH 2000, deren Schussreichweite laut Werksangabe zwischen 40 und 56 Kilometer beträgt und die unter anderem in Afghanistan zum Einsatz kommt, wird seitdem nicht bewacht. "Gesichert" wird das Kriegsgerät lediglich durch einen herkömmlichen Parkplatz-Schranken.

"Wir beobachten"

Die Kärntner Polizei sieht keinen Grund, aktiv zu werden. "Im Zuge unserer Streifentätigkeit beobachten wir die Panzerhaubitze, aber wir bewachen sie nicht", unterstreicht Sprecher Rainer Dionisio. Es handle sich um Transportgut. Dionisio: "Das Kriegsgerät würde von der Polizei im Rahmen eines gewöhnlichen Transports ja auch nicht bewacht werden."

Die für etwaige Maßnahmen in Frage kommenden Ministerien betonen, sie seien für Vorfälle solch außergewöhnlicher Art nicht zuständig. Das Innenministerium erklärt, für eine Bewachung seien Polizei oder Verteidigungsministerium verantwortlich.

Letzteres winkt rasch ab. Offiziell will niemand namentlich zitiert werden, weil man "ja eh nur für österreichisches Kriegsgerät zuständig" sei. Rüstungstransporte vorliegender Art seien Angelegenheit des Innenministeriums; Sondertransporte überdies Sache des Landes Kärnten. Dieses habe es demnach verabsäumt, die Causa als Sondertransport einzustufen.

"Der Irrtum liegt bei der italienischen Transportfirma, die die Causa nicht als Sondertransport deklariert hat", schiebt Landesjurist Albert Kreiner jegliche Schuld von sich und den Mitarbeitern der Landesregierung. Um zu ergänzen: "Aber es ist sowieso kein Krisenfall eingetreten".

Keine Munition an Bord

Auch die Kärntner Exekutive versucht den Ball flach zu halten. Man habe ergänzende Recherchen betrieben, heißt es: "Der Haubitze wurde bereits im Vorfeld eine Sicherungsvorrichtung entnommen, ohne die weder das Starten, noch das Schießen möglich ist. Weiters ist keine Munition an Bord, also gibt es auch keine Gefahr", sagt Dionisio.