© Kärnten läuft / Weichselbraun Helmuth

Chronik Österreich
08/23/2020

Kärnten läuft: „Endlich wieder eine Startnummer“

Die meisten Laufklassiker sind wegen Corona gestrichen. „Kärnten läuft“ jedoch wird durchgeführt.

von Elisabeth Holzer, Nikolaus Tuschar

Es fühlt sich gut an. Die Startnummer am Leiberl festklemmen, Laufschuhe anziehen und zum Start zu marschieren. „Endlich wieder eine Startnummer“, sagt Alissa zu ihrem Freund und lacht.

Sehen kann man das Lächeln nicht. Alissa trägt wie alle Teilnehmer bei „Kärnten läuft“ im Startbereich Mund-Nasen–Schutz, das ist einer der vielen Punkte, der die Genehmigung der Laufveranstaltung überhaupt erst möglich machte. Wer keinen trägt, kommt nicht weiter: Spätestens beim Fiebermessen ist Schluss, ehe der Lauf überhaupt erst begonnen hat.

Unter Corona-Bedingungen

„Kärnten läuft“ findet an diesem Wochenende zum 19. Mal statt unter Corona-Bedingungen: Die Strecke wurde geändert, Start und Ziel sind im Wörthersee Stadion statt der traditionellen Route entlang des Wörthersees. Am Samstag fanden Viertelmarathon und Frauenlauf statt, heute, Sonntag, steht der Halbmarathon an. Diesmal geht es rein ums Laufen: Es gibt keine Partys am Abend, keinen Massenstart, keinen Lauf im Pulk.

Die Teilnehmer werden in Blöcken zu je 100 Leuten gesammelt, dann folgen Einzelstarts. Das Problem liege laut Veranstalter Michael Kummerer an den Vorgaben des Bundes: „Offiziell dürfen nur 200 Leute teilnehmen. Das ist bei einem Marathon nicht machbar.“ Für Viertel- und Halbmarathon über knapp zehn und 21 Kilometer konnte Kummerer jedoch durch die Teilung in Blöcke jonglieren.

Egal, ob knapp zehn, fünf oder 21 Kilometer alle Teilnehmer müssen durch ein mehrfaches Schleusensystem: Fiebermessen, Hände desinfizieren und einzeln starten, da landet dann auch die Maske im Abfalleimer.

Bis zu 8.000 Starter hatte „Kärnten läuft“ in Vor-Corona-Zeiten. An diesem Wochenende sind es bedeutend weniger, Kummerer rechnet mit 30 bis 40 Hunderterblöcken. „Die Gesamtzahl ist mir aber wirklich wurscht. Heuer geht es um die Qualität.“ Und um die Möglichkeit, überhaupt starten zu können: Sämtliche Laufklassiker des Frühjahres mussten wegen der Corona-Bestimmungen abgesagt werden. Die Veranstalter der Herbstläufe hofften lange, gaben dann aber ebenfalls auf, vom Wachau Marathon bis zum Wolfgangseelauf; der Graz Marathon im Oktober ist ein Wackelkandidat.

„Kärnten läuft“ bekam jedoch seine Genehmigung und dürfte damit die einzig größere Massensportveranstaltung dieses Corona-Jahres werden. „Das Konzept ist akribisch ausgearbeitet“, betont Landeshauptmann Peter Kaiser, SPÖ, der am Samstag mit der Startnummer 1 loslegt. „Wir haben alles herangezogen, was wir an Expertise haben. Die Entscheidung mag mutig sein, aber wir können sie nicht von den Fallzahlen des jeweiligen Tages abhängig machen.“ Zumal Läufer ohnedies gesundheitsbewusste Menschen seien. „Wer sich krank fühlt, geht sowieso nicht an den Start.“

Der Start fühlt sich aber anders an. Es heißt pünktlich beim Zeitfenster zu sein, das man bei der Anmeldung ausgewählt hat. Ein Ordner begleitet die Blöcke, die gerade an der Reihe sind, dann reihen sich die Läufer in Zweierreihen auf alle drei, vier Sekunden darf einer rechts, einer links die Rampe vom Stadion hinunter.

Anders als gewohnt

„Kein schlechtes System“, lobt Nadja. „Ich bin ja froh, dass wir heuer überhaupt wieder etwas machen können.“ Die Klagenfurterin scheint sich zu freuen, dass ihre Stadt mehr in den Mittelpunkt gerutscht ist. „Ich finde diesen Lauf ja schon fast schöner als die früheren“, merkt Walter an, der seine Frau an der Laufstrecke anfeuert. „Die Atmosphäre ist lokaler.“

Apropos Anfeuern: Auf die gewohnten musikalischen Hotspots entlang der Strecke müssen die Läufer heuer verzichten, auch das ist den Covid-19-Maßnahmen geschuldet, so sollen Ansammlungen von Zuschauern vermieden werden. „Man läuft irgendwie wie im Training, ganz für sich allein“, sinniert Katrin. „Irgendwie ist das ein Einzellauf mit Startnummer.“ Agnes, die an der Laufstrecke wartet, betrachtet die Veranstaltung jedoch als einen „Schritt in die Normalität. Sport ist ja schließlich etwas Gutes für die Gesundheit.“

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