Über eine gute Qualität und relativ wenig Fäulnis-Probleme freuen sich Wiens Top-Weinproduzenten.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Wein
10/06/2014

Jahr der Herausforderung für Winzer

Hagel und Fäulnis stellen Winzer auf die Probe. Bei einzelnen Sorten sind die Ertragsausfälle massiv.

von Bernhard Ichner, Georg Gesellmann

Österreichs Weinernte bleibt hinter den Prognosen zurück. Von 2,5 Millionen Hektolitern Ertrag war man Branchen-intern Anfang September noch ausgegangen. Doch nachdem auf den verregneten Sommer weitere Niederschläge folgten, führt Fäulnis zu teilweise massiven Ernteausfällen. Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager schätzt, dass sich der bundesweite Ertrag zwischen zwei und 2,2 Millionen Hektoliter einpendeln wird.

Mit Preiserhöhungen sei nicht zu rechnen, meinen Experten. Gerade beim Weißwein könnten die schwierigen Ernte-Verhältnisse sogar einen Vorteil für die Konsumenten darstellen.

Lese bis November

Besonders schwierig stellt sich die Situation für die Winzer im burgenländischen Seewinkel sowie in der Steiermark dar. Bei einzelnen Sorten, wie etwa dem Gelben Muskateller, gibt es heuer bis zur Hälfte weniger als im Vorjahr. Die steirische Paradesorte Sauvignon Blanc habe die massiven Niederschläge dagegen besser verarbeitet und sei "relativ stabil", sagt Schmuckenschlager.

Im Gebiet Neusiedlersee neigt sich die Weinlese dem Ende zu. "Man darf sich auf fruchtige Weißweine mit feiner Säurestruktur freuen, aber mit einem deutlichen Minus", sagt Wein-Burgenland-Chef Christian Zechmeister.

Fruchtige Rote

Die Blaufränkisch-Lese im Mittelburgenland ist voll im Gange. "Mit bis zu 30, 40 Prozent weniger Ertrag müssen wir rechnen", sagt Albert Gesellmann aus Deutschkreutz. Dennoch zeigt er sich optimistisch: "Die Lese ist besser als erwartet. Mit einem fruchtigen Blaufränkisch rechnen wir."

Hauptanteil an der österreichischen Weinernte hat Niederösterreich. Statt der erhofften 1,6 Mio. Hektoliter Erntemenge dürften heuer "bloß" 1,4 Mio. in die Keller kommen. Vom Grünen Veltliner gibt es bis zu 20 Prozent weniger als 2013.

Konkrete Vorhersagen sind schwierig. Denn während in Carnuntum, in der Thermenregion und in Großteilen des Weinviertels die Lese so gut wie abgeschlossen ist, warten die Winzer im Kremstal oder in der Wachau noch zu. Um den Trauben die für hochkarätige Weine – in erster Linie Grüne Veltliner und Rieslinge – notwendige physiologische Reife und höhere Zuckergrade zu ermöglichen, wird erst Ende Oktober oder gar erst im November gelesen. Smaragde bzw. Reserven werde es sicher geben, bloß nicht in großen Mengen, heißt es.

In Wien, wo Hagelunwetter im Sommer vor allem am Nussberg für schwere Schäden sorgten, hatte man quasi Glück im Unglück. "Weil der Hagel die Weingärten massiv ausdünnte, hängen die Trauben lockerer. Deshalb haben wir nicht so viel Fäulnisdruck wie anderswo", erläutert Winzer Gerhard Lobner vom Weingut Mayer am Pfarrplatz. Die Qualität der Weine – allen voran der Gemischte Satz – sei angesichts der Umstände "überraschend gut". Auf Grund des Hagels sei je nach Lage aber mit 25 bis 30 Prozent Einbuße zu rechnen.

Leichte Weißweine

In zwei Punkten sind sich Branchenkenner einig. Erstens: Auch wenn es weniger Wein gibt, werde die Bouteille abgesehen von der Inflationsanpassung kaum teurer. Und zweitens: Die Qualität leide nicht – zumindest nicht beim Weißen.

Da bei der Ernte etlicher Sorten nicht die Spitzenreife erreicht wurde, wird der 2014er-Jahrgang weniger Alkohol haben – sprich: eher trinkanimierend sein. "Wir erwarten duftige, aromatische Weißweine", sagt Gerald Kneissl, Leiter des Weinbau-Referats bei der nö. Landwirtschaftskammer.

Bei den Roten zeichne sich der Jahrgang durch "eine enorme Farbintensität und Fruchtigkeit" aus, sagt Schmuckenschlager. Zu schweren, wuchtigen Geräten werde es aber nicht reichen. Vom Zweigelt sei etwa ein Viertel weniger da als im Vorjahr.

„Ein Jahrgang für die Allerbesten“

Die Lese ist in einem herausfordernden Jahr wie diesem aufwendiger als sonst: Statt ein Mal müssen die Winzer drei bis vier Mal durch den Weingarten gehen und fauliges Traubenmaterial wegschneiden. Wer aber sein Handwerk versteht, wird belohnt – meint Willi Klinger. Der Chef des Österreichischen Weinmarketings (ÖWM) erachtet 2014 als „ein Jahr für die Allerbesten“.

Punkto Export gilt es auf dem Top-Ergebnis von 2013 aufzubauen. Mit einer Menge von 47 Millionen Litern erreichten die heimischen Weinproduzenten im Ausland einen Rekordumsatz von 139 Millionen Euro. Und das mit Bouteillen im Qualitätssegment, wohlgemerkt – nicht mit Fasswein.

Rund zwei Drittel des österreichischen Weinexports gehen nach wie vor nach Deutschland. Dahinter folgen die Schweiz, die Vereinigten Staaten, die Niederlande und Schweden als Hauptabsatzmärkte.

In den Export gelangen in erster Linie der Grüne Veltliner (zu zwei Dritteln) und beim Rotwein Zweigelt und Blaufränkischer.

An deutliche Preiserhöhungen glaubt Klinger nicht: „Vielleicht wird punktuell nachgebessert, aber dramatisch wird es sicher nicht.“

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