Der Prozess gegen mutmaßliche Dschihadisten geht weiter

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Chronik Österreich
11/14/2019

IS-Prozess in Graz: "Die Moschee war ein Reisebüro für Syrien"

Ein Drittel der Vereinsmitglieder zog in den Dschihad. Doch der angeklagte Prediger will daran nicht schuld gewesen sein.

von Elisabeth Holzer

"Die Scharia ist das einzige Gesetz, Menschenrechte braucht man nicht", zitiert der Richter aus den Reden jenes Predigers, den der Staatsanwalt als radikal, islamistisch und salafistisch einstuft.  Muslime bräuchten einen eigenen, islamischen Staat, forderte der 44-Jährige ebenfalls. "Wenn man solche Dinge ausspricht und dann reist ein Drittel der Mitglieder einer Moschee in den Krieg", sinniert der Richter. "Dann muss man sich die Frage gefallen lassen, ob das möglicherweise wegen dieser Vorträge war. Sind Sie dafür verantwortlich?"

"Gegen den IS"

Aber niemals, wehrt der Angeklagte ab, der am vierten Tag des Grazer IS-Verfahrens befragt wird. Acht Männer und drei Frauen stehen unter Terrorismusverdacht. Diese Sätze stammten aus 2004 oder 2005, danach hätte er seine Ansichten radikal geändert. "Ich bin gegen den IS, gegen Al Kaida, Gegner ihrer ganzen Ideologie", behauptet er am Donnerstag und meint sogar, ohne seine Schriften und Reden hätten sich viel mehr Menschen aus Österreich dem IS angeschlossen. Als Entlastungszeugen bietet er sogar einen bereits rechtskräftig wegen Mordes verurteilten, bekannten Prediger an, Mirsad O. ´"Selbst er hat gesagt, würde Ebu Mohammed aufhören, zu sprechen, würden viel mehr nach Syrien gehen." Ebu Mohammed, das war der Predigername des 44-Jährigen - oder wie er selbst im Prozess anmerkt, ein "Spitzname".

Der 44-Jährige ist der einzige der elf, der noch - oder besser wieder - in U-Haft sitzt. Er ist belesen, sehr gebildet und gut ausgebildet und wehrt Angriffe sofort mit theologischen Vergleichen ab. Die Mitglieder des Grazer "Taqwa"-Moscheevereisn durften nicht zur Wahl gehen, doch "orthodoxe Juden nehmen auch nicht an Wahlen teil", kontert der Angeklagte.

"Apokalyptischer Endkampf"

Ein Islam-Sachverständiger attestiert dem Prediger, den "apokalyptischen Endkampf zwischen Muslimen und Kreuzzügen" zu erwarten. Jetzt greift der Angeklagte auf die Freimauerer zurück: "Die sprechen auch von Armageddon und das ist ein biblischer Begriff."

Allerdings gibt es Zeugen aus eben jener "Taqwa"-Moschee, die in Syrien kämpften, einige von ihnen wurden auch nach ihrer Rückkehr im Grazer Straflandesgericht verurteilt. Einer Mann beschreibt die Moschee als "Reisebüro für Syrien", die Autorität und religiöses Oberhaupt sei der Prediger gewesen. Der wehrt ab, erneut. "Der Zeuge ist so naiv wie ein kleines Kind."

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.