Intensivpflege: Kritik an neun Koordinierungsstellen für 120 Betroffene
Dragan V. bekommt trotz OGH-Urteils keine Intensivpflege
Zusammenfassung
- Neun Koordinierungsstellen sollen künftig die Versorgung und Qualitätssicherung für rund 120 beatmete Patienten übernehmen, doch es fehlt weiterhin an Kostenkontrolle und einheitlichen Standards.
- Betroffene und Experten kritisieren massive Versorgungsprobleme, fehlende rechtliche Klarheit, hohe Kosten und das Risiko, dass schwerkranke Patienten ohne Betreuung bleiben.
- Mit der Gründung der ÖGALB entsteht erstmals eine Interessenvertretung für Patienten, Pflegefirmen und Fachkräfte, um die dringend benötigten Verbesserungen voranzutreiben.
Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) sieht Erfolg für Intensivpatienten
Der Grüne Sozialsprecher Ralph Schallmeiner
Rita Fussenegger, selbst Intensivpatientin und Gründerin des Start-ups AufAtmenWG, das künftig dringend benötigte Wohngemeinschaften bauen möchte, warnt, dass viele Probleme unangetastet blieben: "Aktuell wissen wir: Bei nur etwa vier Pflegefirmen in Österreich fallen Dienste regelmäßig aus oder schwerkranke Betroffene werden innerhalb von 24 Stunden gekündigt und Krankenhäuser bzw. Intensivstationen schließen in solchen Situationen die Türen."
Und Fussenegger weiter: "Gleichzeitig entstehen extrem hohe Kosten, die jedoch weder Angehörige noch Betroffene finanziell entlasten. Im Gegenteil: Viele geraten an die Armutsgrenze. Wie sollen Patient – oftmals ohne Unterstützung durch Angehörige, die selbst nicht mehr arbeiten können – Miete, Lebensmittel, Medikamente und steigende Lebenshaltungskosten finanzieren?"
Denn die Patienten müssen nicht nur ihr Pflegegeld komplett abgeben, sondern auch weite Teile des Gehalts bzw. der Pension.
ÖGALB: Erstmals Interessensvertretung für die gesamte Branche
Um künftig auch die Interessen der Betroffenen und der Branche zu vertreten, die bei den Verhandlungen im Gesundheitsministerium nicht einmal gehört worden sind, wurde nun die Österreichische Gesellschaft zur Förderung und Qualitätssicherung in der außerklinischen Langzeitbeatmung (ÖGALB) gegründet. Damit wird es erstmals eine ernsthafte Vertretung von Ärzten, Pflegern, Therapeuten, Intensivpflegefirmen und Patienten geben.
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt auch der Fall Dragan V. aus Niederösterreich. Dem ALS-Patienten wird - trotz OGH-Urteils - eine Intensivpflege daheim nicht bezahlt. Seit Monaten wird er ohne Finanzierung von einer Spezialfirma betreut. Doch auch dieser geht langsam das Geld aus.
V. dürfte bald der nächste Patient sein, der ohne Betreuung auf der Straße sitzt.
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