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Chronik Österreich
12/31/2020

Impfskepsis in Österreichs Altersheimen

Insbesondere beim Personal ist die Zurückhaltung groß. Und auch bei den Bewohnern ist das Impfen kein Selbstläufer.

von Christian Willim, Martin Gebhart , Elisabeth Holzer

Der erste Stichtag ist inszeniert, die frohe Botschaft von der Impfung als „Gamechanger“ (Bundeskanzler Kurz) und dem „Schlüssel für die Wende“ (Gesundheitsminister Anschober) verkündet. Doch gerade da, wo ab 12. Jänner mit dem Durchimpfen begonnen werden soll, ist die Skepsis noch groß: in den Altersheimen – bei einem Teil der Bewohner und noch viel mehr beim Personal.

„Die Bundesregierung ist gut mit Pressekonferenzen und schlecht mit aufklären“, kritisiert Robert Kaufmann, Obmann der ARGE Tiroler Altenheime. Beim Personal sieht er bei der Impfbereitschaft „noch eine große Zurückhaltung. Mitarbeiter lassen sich nicht über das Fernsehen oder die Zeitung ausrichten, dass sie geimpft werden. Das ist nicht wahnsinnig klug.“

Aber auch unter den Heimbewohnern löst die Aussicht auf die Impfung nicht nur Euphorie aus. „Die Skepsis ist bei manchen Bewohnern sehr groß“, sagt eine Heimleiterin hinter vorgehaltener Hand. Konkrete Zahlen zur Nachfrage gibt es noch nicht.

„Eindeutige Absagen“

„Wir sind gerade beim Erheben“, sagt etwa Reinhard Griener, der bei den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD) für die Alters- und Pflegeheime zuständig ist. „Von einigen Bewohnern gibt es bereits eindeutige Absagen“, sagt er, hofft aber, „dass wir eine relativ hohe Durchimpfungsrate zustande bekommen“.

Das hofft auch ARGE-Obmann Kaufmann, der selbst Geschäftsführer einer kleineren Einrichtung in Zirl bei Innsbruck ist und noch erheblichen Überzeugungsbedarf sieht: „Ich sehe die große Aufklärung oder die Impfkampagne noch nicht“, kritisiert er die Bundesregierung und mahnt: „Die Zeit ist knapp, die Hilfe, die wir von oben kriegen, ist überschaubar.“

Der Grundtenor aus den Heimen ist einhellig: Die Herausforderung, über die Feiertage die Zustimmungserklärungen einer großen Zahl von Altersheimbewohnern zu bekommen, um ab dem 12. Jänner Impfungen breit durchführen zu können, ist enorm. Die notwendigen Formulare habe man erst kurz vor Weihnachten erhalten.

„Voraussichtlich am 4./5. Jänner müssten wir die Impfdosen bestellen“, erklärt Kaufmann. Einfach durch die Heime zu laufen und zu fragen, wer will, wer will nicht, ist nicht möglich. Denn vielfach gilt es nicht die Betroffenen selbst, sondern ihre Erwachsenenvertreter zu überzeugen. Auch das sei über die Feiertage schwierig, heißt es.

Frage der Entscheidung

Zudem gäbe es sehr viele Bewohner, die selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind, aber auch keine bestellten Vertreter haben. „Entscheidet dann der Hausarzt oder die Angehörigen?“, lautet für eine Heimleiterin eine noch ungeklärte Frage.

Sollte die Zahl der impfbereiten Senioren in den Betreuungseinrichtungen in der Anfangsphase hinter den Erwartungen bleiben, hat das massive Auswirkungen auf die Bekämpfung der Pandemiefolgen.

Die Impfungen in den Altersheimen sollen nämlich einerseits die Covid-Intensivstationen entlasten und zudem die erschreckende Dynamik bei den Todesfällen in Österreich bremsen.

2.588 Heimtote

Bis 29. Dezember sind in Österreich 6.059 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Bis zu diesem Tag wurden „2.588 Todesfälle aufgrund von Corona in Alten- und Pflegeheimen von den Bundesländern eingemeldet“, erklärt das Gesundheitsministerium auf KURIER-Anfrage. Das sind 42,7 Prozent aller Covid-Sterbefälle.

In Niederösterreich zeigt man sich zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Impfungen in den Heimen – derzeit laufen die Abfragen – groß sein wird. „Insgesamt rechnen wir mit einer hohen Impfquote, zumindest haben wir dazu entsprechende Rückmeldungen aus den Häusern bekommen“, sagt Bernhard Jany, Sprecher der Landesgesundheitsagentur (LGA), die alle Pflegeheime des Landes betreut.

Kritik an der Organisation der geplanten Massenimpfungen in den Altersheimen kommt aus der Steiermark. „Wir haben noch nicht einmal Basisinformationen. Es wird in Wien viel angekündigt. Aber was am Ende des Tages ankommt, ist gering“, ärgert sich Franz Ferner, Leiter der Volkshilfe und Sprecher der Heime in der Wirtschaftskammer.

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