Chronik | Österreich
23.09.2017

Immobilien-Betrug mit gefälschten Inseraten

Wohnung in Traumlage mit 159 Quadratmetern um angeblich nur 420 Euro Miete. Experte warnt: "Niemals vor der Besichtigung die Kaution bezahlen."

Eine Wohnung in repräsentativer Lage in der Wiener Innenstadt, vier Zimmer, 159 Quadratmeter – und das um 420 Euro Miete monatlich? Dieses Angebot fand sich kürzlich auf einer Immobilien-Plattform im Internet. Man müsse bloß 2720 Euro überweisen – schon erhalte man den Schlüssel für die Wohnung zugesendet, ließ der angebliche Vermieter per eMail wissen.

"Hier handelt es sich um eine typische Form des Vorkassenbetrugs", warnt Ronald Schlesinger, Teamleiter bei der Mieterhilfe der Stadt Wien. Seit einigen Jahren komme es immer wieder zu derlei Betrugsversuchen im Internet, sagt Schlesinger: "Das Angebot klingt verlockend, die Bilder sehen vielversprechend aus, der Preis ist ungewöhnlich günstig." So auch im konkreten Fall – der eMail-Verkehr zwischen dem angeblichen Vermieter und dem Interessenten liegt dem KURIER vor.

Auf eine erste eMail-Anfrage antwortet der vermeintliche Vermieter nach einigen Tagen in etwas abenteuerlichem Englisch: Er halte sich derzeit aus beruflichen Gründen in London auf, daher wolle er die Wohnung in Wien vermieten. Die Miete belaufe sich auf 420 Euro pro Monat.

"Wollen vertrauenswürdig klingen"

Das sei eine typische Vorgehensweise, erläutert Schlesinger: Bei der ersten Kontaktaufnahme gebe der vermeintliche Vermieter zumeist an, er halte sich derzeit im Ausland auf, daher müsse man vorab eine Kaution überweisen. "Oft erzählen sie in diesen eMails auch persönliche Details, etwa dass sie die freie Wohnung einst für die in Wien studierende Tochter erworben haben. Damit wollen sie vertrauenswürdig klingen."

In den folgenden eMails zeigt sich der vermeintliche Vermieter auffällig flexibel: Die Wohnung sei beliebig lange zu mieten – zwei bis vier Monate, oder auch fünf bis zehn Jahre. Wer der mögliche künftige Mieter ist, interessiert ihn nicht. "Auch das ist typisch", sagt Schlesinger. "Wir hatten schon Fälle, wo potenzielle Interessenten angaben, sie würden giftige Schlangen halten oder bis spät nachts laut musizieren." Dinge, die bei normalen Vermietern wohl Ausschlusskriterien wären, interessieren die Betrüger jedoch nicht: "Die wollen nur, dass man schnell Geld überweist."

In einem weiteren Schreiben informiert der angebliche Vermieter, der künftige Mieter müsse 2720 Euro über ein Airbnb-Konto überweisen. Sobald er das Geld habe, versende er die Schlüssel nach Österreich. Danach habe der Interessent zwei Tage lang Zeit, die Wohnung zu besichtigen und die Entscheidung zu überdenken. Wolle er diese doch nicht mieten, erhalte er das Geld zurück.

"Es ist unseriös, vor der Besichtigung eine Kaution zu verlangen. Früher wurde das Geld oft über Western Union verlangt. Dass hier der Name Airbnb angegeben wird, ist neu", sagt Schlesinger. Eine Airbnb-Sprecherin betont auf KURIER-Anfrage nachdrücklich, dass derlei Betrugsfälle nichts mit Airbnb zu tun haben: "Wir weisen immer darauf hin, jede Konversation mit einem Vermieter sowie jede Zahlung ausschließlich über unsere Website zu tätigen. Wir würden niemals auf eine andere Seite verweisen. Da verwendet jemand fälschlicherweise unseren Namen, weil Airbnb vertrauenswürdig klingt."

Identitätsdiebstahl

Zusätzlich zur Überweisung wird der Interessent auch aufgefordert, eine Ausweis-Kopie per eMail zu schicken. "Das sollte man auf keinen Fall tun", betont Schlesinger. Denn: "In weiterer Folge kann es zu einem Identitätsdiebstahl kommen. Der Betrüger kann etwa auf den Namen des Opfers Kreditkarten beantragen – und plötzlich sieht man sich mit Klagen wegen unbezahlter Rechnungen konfrontiert." Stattdessen sollte man betrügerische Inserate umgehend dem Innenministerium (against-cybercrime@bmi.gv.at) melden.

Bei der bekannten Immobilien-Plattform immowelt betont man auf KURIER-Anfrage, "mit Nachdruck daran zu arbeiten, die Zahl der Fälle möglichst klein zu halten und Betrugsobjekte umgehend zu identifizieren". Ein Sicherheitsteam prüfe die Datenbank auf Auffälligkeiten – etwa, ob Preis und Größe zusammenpassen. Auch hier rät man: "Niemals Geld an fremde Personen überweisen."

Experte Schlesinger jedenfalls betont: "Wenn ein Angebot zu schön ist, um wahr zu sein – dann ist es das wohl auch."