Immer mehr Muslime wollen die Taufe: Schein-Christentum im Fokus

Bildnummer: 59798483  Datum: 24.10.2010  Copyright…
Foto: imago stock&people Immer mehr Muslime lassen sich in Österreich taufen.

Flüchtlingstaufen beschäftigen die Asylbehörde. Die Kirche dementiert Probleme nicht.

633 Menschen ab dem 14. Lebensjahr werden sich österreichweit heuer taufen lassen. 80 Prozent der zu Taufenden haben muslimischen Hintergrund, der Rest ist religionslos aufgewachsen. Das ist eine Steigerung von 50 Prozent (411 Täuflinge) im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahl, bekannt gegeben von der römisch-katholischen Kirche, ist deswegen bereits bekannt, da die Vorbereitungszeit (Katechumenat) auf das heilige Sakrament ein Jahr oder länger dauert.

Dieser religiöse Hintergrund beschäftigt natürlich auch die Asylbehörden: "Das ist durchaus ein Thema", bestätigt der Sprecher des Innenministeriums Karl-Heinz Grundböck.

Ein Rekordhoch bei den erwachsenen Taufwerbern verzeichnet die Erzdiözese Wien mit 254 Personen. Viele dieser bundesweiten Anwärter sind Flüchtlinge und kommen Großteils aus dem Iran (130) sowie Afghanistan (50).

Das Konvertieren zum Christentum ist eine persönlich wie politisch sensible Entscheidung. So fand die Feier der Taufwerber Donnerstagabend in der Erzdiözese Wien aus Diskretionsgründen nicht öffentlich statt. Friederike Dostal, Leiterin des Erwachsenen-Katechumenats: "Taufwerber, vor allem aus dem Iran, fürchten Repressalien gegen ihr Angehörigen in der Heimat, sollte ihre Konversion zum Christentum bekannt werden." Kardinal Christoph Schönborn sprach von einem "großen und bewegten Tag für die Kirche. Und es wird der Gemeinschaft gezeigt, welch großen Preis manche zu zahlen bereit sind, um Christus nachzufolgen."

Schlüssige Aussagen

Österreichs Asylbehörden jedoch wollen in einigen Fällen ein Schein-Christentum nicht ausschließen. Grundböck: "Wenn ein Flüchtling, etwa im laufenden Asylverfahren zum Christentum konvertiert, könnte es sein, dass ein negativer Asylbescheid nicht vollzogen werden kann." Denn in vielen muslimischen Ländern drohen zurückgekehrten Christen sozialer Druck, Verfolgung bis hin zur Inhaftierung und Folter. "Es kommt daher darauf an, wie schlüssig die Aussagen des Taufwerbers sind. Es gibt keinen Automatismus bei der Befragung. Jeder Fall muss individuell geprüft werden", erklärt Grundböck.

Auch in der Erzdiözese Wien ist man sich des Problems bewusst. "Wir reden mit den Anwärtern zum Thema mindestens ein Jahr lang. Sind wir uns der religiöse Überzeugung nicht sicher, wird die Taufe aufgeschoben, oder storniert. Fälle, in denen das Sakrament der Taufe verweigert wurde, gab es bereits", sagt Dostal.

In der Regel ist der Wechsel zum Christentum den Flüchtlingen jedoch ein Anliegen. Die Erzdiözese gibt ein Beispiel: Ein Iraner lernte beim Sport einen assyrischen Christen kennen. Nachdem er zu einer christlichen Gemeinde Kontakt aufgenommen hatte, wurde er verhaftet und im Wiederholungsfall mit 15 Jahren Gefängnis bedroht. Er flüchtete aus seiner Heimat.

(kurier) Erstellt am
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