Chronik | Österreich
05.10.2018

"Immer das gelindeste Mittel bei Wölfen wählen"

Bürgermeister rufen nun nach Abschuss des Wolfs. Wie die Regelung im Detail aussieht.

Zwei Mal soll ein Wolf in dieser Woche Schafe und Ziegen gerissen haben – einmal in St. Andrä-Wördern und einmal in Klosterneuburg (beide im Bezirk Tulln, NÖ). Doch kann er deswegen geschossen werden? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann ist ein Wolf ein „ Problemwolf“?

„Ein Wolf, der die Scheu vor den Menschen verliert, etwa weil er angefüttert wurde und die Verbindung vom Futter zum Menschen hergestellt hat, kann zum Problem werden“, erklärt Georg Rauer von der Veterinärmedizinischen Universität. Auch ein Wolf, der wiederholt adäquate Schutzmaßnahmen überwindet und Tiere reißt , müsse als problematisches Tier eingestuft werden. „Ein richtiger Herdenschutz sind aber Netze, die einen Meter hoch sind und Strom führen. Da springen Wölfe nicht drüber. Herkömmliche Weidezäune dienen nur dazu, dass Schafe nicht ausbüxen“, sagt WWF-Experte Christian Pichler. „Erst wenn ein Wolf fachgerechten Schutz überwindet, ist es ein Problemwolf.“

Die Bürgermeister der beiden Orte forderten sogleich einen Abschuss. Unter welchen Umständen ist dies möglich?

Der Wolf ist ein EU-rechtlich streng geschütztes Wildtier. In Österreich gibt es seit 2012 einen Wolfsmanagementplan. „Dieser sieht vor, dass immer das gelindeste Mittel gewählt wird. Wenn etwa Millionenschäden durch Wolfsrisse entstehen, muss zuerst einmal ein entsprechender Herdenschutz aufgestellt werden, ist dies auch nicht zielführend, dann folgt die Vergrämung, erst wenn das nichts bringt, ist ein Abschuss möglich“, sagt Pichler.

In NÖ wurde eine Änderung des Jagdgesetzes beschlossen, die bei Gefahr einen rascheren Abschuss von „Problemwölfen“ ermöglichen soll. Welche Kriterien sind hier festgeschrieben?

„Die Änderung des Gesetzes ist nicht so gravierend. Im Jagdgesetz, das für alle Tiere gilt, ist Sicherheit eines der Kriterien, aber auch wirtschaftliche Schäden und der Schutz anderer Wildtiere“, sagt Rauer. Noch ist das Gesetz in Niederösterreich nicht in Kraft getreten. Die Kriterien des Wolfsmanagementplanes sollen jedenfalls spezifiziert und verrechtlicht werden. Für Abschuss und Vergrämung sind jedenfalls Bescheide der zuständigen Bezirkshauptmannschaften notwendig.

Wie soll man sich verhalten, wenn man einem Wolf begegnet?

„Man soll ruhig und selbstsicher auftreten. Im Normalfall wird sich der Wolf zurückziehen. Er ist Menschen gegenüber vorsichtig und weicht in der Regel aus“, sagt Rauer. Hunde sollten an der Leine geführt werden. Sichtungen können bei der Landwirtschaftskammer und der Gemeinde gemeldet werden. Die Chancen, einen Wolf im Wald zu sehen, seien jedoch äußerst gering.