Chronik | Österreich
04.10.2018

Der Wolf nähert sich Wien

Ein Raubtier soll Schafe in Klosterneuburg gerissen haben. Ein Weiterzug in die Bundeshauptstadt sei nicht auszuschließen.

Schon bald könnte der Wolf auch in Wien ankommen: Der jüngste Vorfall ereignete sich in Klosterneuburg – nur wenige Kilometer vor der Stadtgrenze. Im Stadtteil Kritzendorf in Klosterneuburg wurden sieben Schafe – fünf Lämmer und zwei Mutterschafe – gerissen und es besteht der Verdacht, dass es wieder die Spur eines Wolfes ist. Vor wenigen Tagen ist die Auswertung der DNA-Spuren von einem Fall in St. Andrä-Wördern im Bezirk Tulln bekannt geworden. Das Ergebnis bestätigt, dass das Tier fünf Ziegen und zwei Schafe gerissen hatte. Bei dem Fall in Klosterneuburg hat das Amt der NÖ Landesregierung bekannt gegeben, dass die Schafe in einem gezäunten Gehege einem Wolf zum Opfer gefallen sind. Experten der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) sind dabei, die DNA-Proben zu analysieren.

"Kein Vertrag mit Menschen"

Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Wolf sagt: „Es ist Wunschdenken, dass sich Wölfe nur in Nationalparks aufhalten. Wölfe können gut in Kulturlandschaften leben und sich fortpflanzen, auch in dicht bewohnten Gebieten.“ Sollten genügend Nahrung, sowie Ruhezonen verfügbar sein, finde schnell eine Rudelbildung statt. „Sie brauchen nur Rückzugsorte für die Aufzucht der Welpen, mit allem anderen können die Tiere gut umgehen und damit leben“, sagt Heindl.

Man könne nie sagen, wo das nächste Rudel vorkomme. Der Wienerwald mit seinen vielen Wäldern, der Bezirk Tulln oder gar der Nationalpark Donau-Auen seien allesamt nicht auszuschließen. Es sei gar vermessen zu sagen, dass er nicht auch in Wien leben kann – gelte die Stadt im Europavergleich doch als eine der grünsten. Füchse kämen hier schließlich auch gehäuft vor. „Dass ein Wolf am Ring entlang spazieren wird, bezweifle ich, aber vielleicht im Prater“, sagt Heindl. Wölfe hätten jedenfalls keinen Vertrag mit Menschen abgeschlossen und würden nach ihren Kriterien leben.

Neues Gesetz

Deshalb wurde am 20. September im NÖ Landtag – nach langen Diskussionen über Wolfsrisse und -sichtungen – eine Änderung des Jagdgesetzes beschlossen, die bei Gefahr einen rascheren Abschuss von „Problemwölfen“ermöglichen soll. Der Bürgermeister von Klosterneuburg, Stefan Schmuckenschlager (ÖVP), ist der Meinung, dass gehandelt werden muss, bevor etwas passiert.

„Es soll nicht soweit kommen, dass unser Kulturraum derartige Gefahren hat. Ich weiß nichts, was gegen einen Abschuss sprechen würde“, sagt er und setzt hinzu: „Man schießt auch auf Rehe. Das hat auch den Zweck, dass man die Population im Griff hält.“ Der WWF warnt genau vor diesen potenziellen Freibriefen für Abschüsse durch das neue NÖ-Gesetz. „Der Wolf ist ein EU-rechtlich streng geschütztes Wildtier“, sagt Experte Christian Pichler.

„Kann weiterziehen“

Im Großraum Wien sind Heindl zufolge nicht nur Schafe potenzielle Opfer, sondern auch Pferde und insbesondere Fohlen seien gefährdet. Es gelte nun herauszufinden, ob es sich bei den vergangenen Rissen rund um Wien in Mauerbach, St. Andrä-Wördern und dem neuesten Fall nun um dasselbe Tier handelt, sagt Georg Rauer von der Vetmed. „Es kann auch sein, dass er aber einfach wieder weiterzieht.“