Imker müssen 30.000 Königinnen tauschen

Biene
Foto: /Truppe Laut Gesetz darf es in Kärnten nur noch die Carnica-Biene geben

Die "Reinrassigkeit" der Bienen wird in
Kärnten per Gesetz vorgeschrieben.


Apis mellifera carnica heißt die "reinrassige" Kärntner Carnica-Biene und laut Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz von 2007 darf es in diesem Bundesland keine andere geben. Aufgrund von Übergangsfristen und Einsprüchen bei Gericht züchteten Kärntens Erwerbsimker aber weiterhin andere Rassen. Dem hat nun das Landesverwaltungsgericht mit einem Erkenntnis einen Riegel vorgeschoben. Bis 31. März 2018 müssen rund 30.000 Königinnen ausgetauscht werden.

Seit Jahren tobt in Kärnten der "Bienen-Streit": Freizeit- und Hobbyimker bevorzugen die Carnica-Biene, Erwerbsimker hingegen favorisieren Hybrid-Bienen wie die "Buckfast". Letztere soll nicht nur resistenter gegen Milben, Viren und Spritzmittel sein, sondern auch ertragreicher.

Der Kärntner Landtag hat 2007 allerdings ein Bienenwirtschaftsgesetz beschlossen, das einzig die Carnica-Züchtung vorsieht. Imkern wurde eine fünfjährige Übergangsfrist zugestanden und in der Folge versuchten diese das Gesetz zu kippen, indem sie die Verordnung der Landesregierung beeinspruchten. Jetzt sind sie allerdings beim Landesverwaltungsgericht abgeblitzt.

"Sämtliche Bienenvölker (...), welche nicht der Rasse Carnica angehören, sind auf Bienenvölker der Rasse Carnica umzuweiseln (Anm. die Königin in einem Volk austauschen)", heißt es im Erkenntnis, das am 30. März 2017 erging. Dieses Zusetzen einer neuen Königin sei bis 31. März 2018 abzuschließen, so das Gericht.

"Wir überlegen, in Revision zu gehen und den Europäischen Gerichtshof anzurufen", entgegnet der Kärntner Norbert Truppe, zweiter Vizepräsident des österreichischen Erwerbsimkerbundes. Er hatte die Beschwerde eingereicht. Würde das Urteil bestätigt, hätte es weitreichende Folgen. "Laut Schätzungen haben in Kärnten 71 Prozent der Bienen gar keine Carnica-Gene und würden streng genommen nicht dem Gesetz entsprechen", merkt Truppe an. Insgesamt gebe es in diesem Bundesland 45.000 Bienenvölker mit jeweils 50.000 bis 60.000 Tieren. "Um das Erkenntnis umzusetzen müsste man bis zu 30.000 Königinnen tauschen. Und eine Reinzuchtkönigin kostet zwischen 35 und 60 Euro." Sämtliche Nicht-Carnica-Königinnen müssten außerhalb Kärntens neu angesiedelt oder eliminiert werden.

Schutz der "Carnica"

Während Truppe von "Bienenmord" spricht, heißt es aus dem Büro von Landesrat Christian Benger (ÖVP), Erwerbsimker müssten ihre Königinnen sowieso alle zwei Jahre austauschen. Das Gesetz mache Sinn, weil durch unkontrollierte Paarung die heimische Rasse verdrängt würde.

(kurier) Erstellt am
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