Ein Sprung aus dem Sessellift hat ein Nachspiel

© dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Salzburg
01/07/2014

Illegale Skilehrer im Visier

Das Skischulgesetz wurde heuer verschärft - Härtere Bandagen gegen Verstöße gefordert

von Raffaela Lindorfer

Reisegruppen aus Belgien, die eigene Skilehrer mitnehmen. Skischulen mit Sitz in Deutschland, die die ganze Saison über Salzburgs Übungspisten in Beschlag nehmen. Mit dem verschärften Skischulgesetz, das seit Jahresbeginn gilt, nehmen es viele nicht so genau, kritisieren Landesskiverband und der Verband der Salzburger Berufsskilehrer. Demnach müssen ausländische Guides hier eine Niederlassung gründen, wenn sie langfristig in Österreich arbeiten. Einen staatlich geprüften Skilehrer muss außerdem seit heuer jede Skischule vorweisen.

Zweiter Kontrolleur

Kontrolliert wird die Einhaltung des Gesetzes von einem einzigen Mann: Paul Ebner. Der 72-Jährige ist seit zehn Jahren im Auftrag der Landesregierung im Einsatz. Ein leichter Job sei das nicht, sagt der Pongauer: „Manche reagieren bei der Kontrolle regelrecht aggressiv. Es gab Fälle, wo ich Polizeischutz gebraucht habe.“ In der Saison 2012/13 habe er rund 170 Personen kontrolliert. In den zwei stärksten Ski-Bezirken, Zell am See und St. Johann im Pongau, haben die Bezirkshauptmannschaften mit Strafmandaten knapp 14.000 Euro eingenommen.

Heuer könne sich die Zahl locker verdoppeln, sagt Ebner – zumal die Höchststrafe von 5000 auf 10.000 Euro hinaufgesetzt wurde. Zu seiner Verstärkung werde derzeit vom Land ein zweiter Kontrolleur gesucht.

In Tirol und Vorarlberg gibt es übrigens jeweils einen, in den anderen Bundesländern gar keinen Kontrolleur.

Verein als Deckmantel

Ein härteres Durchgreifen der Behörden fordert Bartl Gensbichler, Präsident des Landesskiverbandes. Er betreibt selbst eine Skischule in Saalbach-Hinterglemm und hat einige deutsche Konkurrenten im Visier: „Sie arbeiten mit Reiseveranstaltern zusammen und machen die Kurse günstiger. Ihre Steuern zahlen sie in Deutschland. Spricht man sie darauf an, wird man nur ausgelacht.“

Besonders raffiniert sei die Taktik mancher belgischer Reiseunternehmer, schildert Petra Hutter-Tillian, Geschäftsführerin des Salzburger Berufsskilehrerverbands: „Für die Dauer des Aufenthalts tritt die Gruppe als Verein auf und hat eigene Skilehrer dabei, die oft nicht staatlich geprüft sind, wie es jetzt Pflicht ist. Sie tun das, weil dieses Gesetz für Vereine nicht gilt.“

Sie sieht eine klare Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil der Salzburger Skischulen. Vorerst werde nur im konkreten Fall gestraft. In letzter Konsequenz sei aber eine gesamtösterreichische Klage nach dem EU-Wettbewerbsgesetzes denkbar.