Fahndungsfoto des Verdächtigen: Er lebte und arbeitete unter falschem Namen

© APA/POLIZEI

Fall geklärt
02/25/2016

Identitätsbetrüger ist gestorben

Mann, der Kind unter anderem Namen gezeugt hatte, ist 2014 tot gefunden worden.

von Thomas Sendlhofer

Das Rätsel um den Identitätsdieb, der zwei Jahre lang unter falschem Namen in Golling (Salzburg) gelebt und ein Kind gezeugt hatte, scheint gelöst. Der Verdächtige wurde bereits im Mai 2014 tot in seiner Wohnung in Linz gefunden, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Der damals 34-Jährige aus Sachsen dürfte Selbstmord begangen haben.

Wie berichtet, war der Deutsche 2010 von Golling nach Graz übersiedelt – noch vor dem ersten Geburtstag seines Buben. Das Kind kam im April 2009 auf die Welt. Auch in der Steiermark führte der Sachse ein Doppelleben. Der Betrüger nahm dafür eine neue Identität an. Er arbeitete laut Polizei wie schon in Golling als Küchen- und Lagergehilfe. Die letzte Spur hinterließ er 2011.

Ex-Freundin meldete sich

Der Hinweis einer ehemaligen Lebensgefährtin aus Linz, die den Mann auf dem Fahndungsbild wiedererkannte, brachte die Ermittler nun auf die wahre Identität. Der Betrüger dürfte seine letzten Lebensjahre ab 2011 in der oberösterreichischen Landeshauptstadt verbracht haben. Auch die Frau kannte den Mann nur unter falschem Namen. Der 34-Jährige hatte neuerlich einen entweder gestohlenen oder gefundenen Ausweis eines Deutschen missbraucht. Dies könnte notwendig gewesen sein, um die Sozialversicherung nicht auf seinen Betrug aufmerksam zu machen – als Ausländer erhielt er nämlich stets eine neue Versicherungsnummer. Dennoch stellten die Ermittler kurz nach seinem Tod die echte Identität fest. "Das ist anhand seiner Tätowierungen und mit einer DNA-Probe gelungen", sagt Polizei-Sprecherin Irene Stauffer.

Sowohl in Golling, als auch in Graz und in Linz verübte der 34-Jährige zahlreiche Delikte, vor allem Miet-, Bestell- und Kreditbetrügereien. So soll er über das Internet Dinge verkauft und das Geld kassiert haben, ohne die Gegenstände je zu liefern. Über die Jahre hinweg dürfte ein Schaden von mehr als 20.000 Euro entstanden sein. Die Unterhaltszahlungen für den heute sechsjährigen Buben aus Kuchl sind darin nicht inbegriffen. Der Verdächtige war bereits vor den Delikten unter falschem Namen straffällig geworden. Demnach soll er in Deutschland und später in Kufstein Betrügereien getätigt haben.

Enttäuschtes Opfer

Den Geschädigten des Identitätsdiebs fiel es schwer, die Todesnachricht zu glauben. Sabine W. aus Leverkusen reagierte emotional. Der Verdächtige lebte zwischen 2008 und 2010 in Golling unter der dem Namen ihres Mannes, Horst W. "Mich haut das um, ich habe sehr darunter gelitten", sagt Sabine W., die sich seit mehr als einem Jahr deswegen therapieren lässt. "Es ist schade, dass er dafür nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann, für das, was er uns angetan hat."

Für Horst W. und seine Familie begann im Jänner 2015 ein Rechtsstreit, nachdem das Bezirksgericht Hallein Unterhalt für den Buben einforderte. Obwohl ein Bezirksrichter im Juni feststellte, dass W. gar nicht der Vater sein könne, nahm das zuständige Jugendamt die Unterhaltsforderungen nicht zurück. Erst das Urteil des Obersten Gerichtshofs Mitte Dezember beendete die Causa endgültig. Horst W. musste einen Kredit aufnehmen, um die Anwaltskosten von mehr als 4000 Euro bezahlen zu können. Eine Schadenersatzklage steht im Raum.
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