© Getty Images/iStockphoto/Farknot_Architect/iStockphoto

Chronik | Österreich
09/20/2018

Hundebiss: "Entziehe mich keiner Verantwortung"

Die Besitzerin des Rottweilers spricht erstmals über das Unglück. Bub schwebt weiter in Lebensgefahr.

„Mir tut es unendlich leid. Ich kann es nicht rückgängig machen. Es ist wie ein Reifenplatzer bei 140. Den kannst du auch nicht verhindern“, sagt die Besitzerin, jenes Rottweilers, der vergangenen Woche einen Einjährigen in Wien-Donaustadt lebensgefährlich verletzt hat.

Frau W. und die Familie des kleinen Waris (1) sind Nachbarn, mit dem Vater des Einjährigen arbeitet die Frau sogar zusammen bei den Wiener Linien. In dem 2009 errichteten Wohnhaus wohnt die 48-Jährige alleine, zur Zeit nur mit einer Katze. Der Rottweiler Joey befindet sich im Wiener Tierquartier. Das Tier würde in wenigen Monaten seinen vierten Geburtstag feiern. Seine Zukunft ist ungewiss. Kontakt zu dem Rüden hat die Wienerin nicht.

„Wir haben ihm sein Spielseil gebracht. Auskunft gibt es keine. Eines ist klar: Ich bekomme ihn nicht mehr“, sagt sie. Die Stadt Wien hat öffentlich bereits klar gemacht, dass der Rottweiler nicht weitervermittelt wird. Ob er eingeschläfert wird oder nicht, steht noch in den Sternen.

Die Szenen von vergangenem Montag schwirren der Frau noch immer im Kopf herum. „Er hat immer einen Beißkorb oben, wenn viele Menschen sind oder wir dort hingehen, wo er sich nicht auskennt. Ich geh schon seit drei Jahren mit ihm hier herum. Die Zeit hab ich nicht zufällig gewählt, sondern wo wenig Leute sind“, meint sie. Doch am 10. September wurde genau das Waris zum Verhängnis. Die Großeltern nahmen den Bub zwischen sich, hielten an den Händen und ließen ihn am Heimweg immer wieder hochschaukeln. „Es war dunkel. Ich hab sie nicht gesehen“, schildert W. Plötzlich biss der 47 Kilo schwere Rottweiler zu.

An Details kann sie sich kaum erinnern. Dass Zeugen gemeint hätten, dass sie nur tatenlos zugesehen hätte, will die Hundebesitzerin nicht so stehen lassen: „Ich hatte einen Begleiter, der die Rettung angerufen hat.“

Existenz gefährdet

Für die Wienerin ist Joey der bereits dritte Rottweiler. „Ich habe seit 28 Jahren Hunde und nie ein Problem gehabt. Ich habe bei Joey alles von A bis Z gemacht. Du kannst in so ein Tier nicht hineinschauen“, sagt die Frau. Mit dem Rüden absolvierte sie den Hundeführschein, hatte alle erforderlichen Impfungen gemacht. Mit dem Gesetz kam sie noch nie in Konflikt.

Die Tragödie will sie nicht schön reden, sich dem Geschehenen stellen. „Der Hund kann am allerwenigsten etwas dafür. Es ist immer das andere Ende der Leine Schuld. Ich entziehe mich keiner Verantwortung. Was mich an dem Ganzen stört, ist, dass man so durch den Dreck gezogen wird“, meint die Besitzerin. Einen Anwalt hat sie bereits engagiert. Die sechswöchige Einspruchsfrist will sie nutzen, um beim Verwaltungsgericht eine Beschwerde gegen das Halteverbot einzubringen. Ihre Existenz sieht die Frau gefährdet. „Es ist eine Sekunde, die dein Leben verändert“, sagt die Wienerin.

Die 1,4 Promille beim Alkovortest kann sich die Verdächtige nicht erklären, mit einem Bekannten hatte sie vorher etwas getrunken. „Ich kann das nicht beurteilen, ob das viel oder wenig ist. Ich bin keine asoziale, alkoholkranke, arbeitsscheue Kampfhundeführerin“, schildert sie und zeigt stolz ihre Wohnung in dem Neubau.

Gegen das Gerücht in der Nachbarschaft, dass sie Joey geschlagen haben soll, will sich die Besitzerin wehren: „Das hab ich auch gelesen, beim besten Willen nicht.“

Kleinkind stabil

Der Familie soll sie einen Brief geschrieben haben, ein persönliches Gespräch hat sie noch nicht gesucht. „Es ist noch zu früh. Ich bin die Schuldige, die das verursacht hat, da gieß ich noch Öl ins Feuer“, sagt sie. Sie wolle den Genesungsverlauf des einjährigen Buben abwarten.

Vonseiten des KAV heißt es, dass der Einjährigen stabil sei, aber weiterhin in Lebensgefahr schwebt.