Ärzte fanden keinen Hinweis auf Pfefferspray
Tag vier im Mordprozess gegen Thomas B. der in Ungarn mit seinem Hummer einen Poliztsten getötet haben soll. Weitere Zeugen sind am Donnerstag im Komitatsgericht Szeged befragt worden. Unter anderem kamen zwei Ärzte zu Wort, die den von der Polizei angeschossenen Angeklagten versorgt und bei diesem keine Spuren eines Pfeffer- oder Paprikasprays bemerkt hatten.
Zu der fatal verlaufenden Amtshandlung war es gekommen, nachdem der zuletzt in Salzburg wohnhafte gebürtige Kärntner seinen "Hummer" gezielt über die Fahrbahnmitte gelenkt und dabei beinahe einen Polizeiwagen touchiert haben soll. Das fasste der Beamte als Provokation auf, worauf er zwei Kollegen auf Motorrädern als Verstärkung anforderte. Diese verfolgten den 35-Jährigen, wobei ihn zunächst weder Blaulicht und Sirene noch auf seinen SUV abgegebene Schüsse zum Stoppen brachten. Als er endlich anhielt, soll er - so die Anklage - den rechts vor ihm positionierten Polizisten Imre K. vorsätzlich getötet haben, indem er auf diesen losfuhr.
Unfall
Der Angeklagte bestreitet das und stellt das Geschehen als Unfall dar: Er sei "in Panik" aufs Gas gestiegen, nachdem ihm der zweite Motorradfahrer durchs geöffnete Seitenfenster Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hätte.
Zunächst wurde ein Arzt vernommen, der zufällig an der Unfallstelle vorbeigekommen war. Der Angeklagte war von anderen Polizisten zu diesem Zeitpunkt bereits mit Handschellen an einen Baum gekettet worden. Als er sich um ihn kümmern wollte, habe ihn der 35-Jährige auf Englisch angewiesen, vorher den am Boden liegenden Polizisten zu untersuchen, da dieser "schwerer verletzt" sei, so der Zeuge.
Der "Hummer"-Fahrer, der von der Polizei mehrfach angeschossen wurde - er soll nach deren Darstellung mit einem Messer bewaffnet auf diese losgegangen sei, was er vehement dementiert - , habe über Schmerzen an der Hand und am Bein geklagt und sei schließlich mit einem Notarztwagen ins Spital gebracht worden. Der Zeuge verneinte die Frage des Staatsanwalts, ob er bei dem Österreicher Spuren - etwa gerötete Augen, Atemnot oder eine laufende Nase - bemerkt hätte, die auf einen gegen ihn eingesetzten Paprikaspray hingedeutet hätten. Der Angeklagte habe ihm gegenüber auch keinen Spray erwähnt, sagte der Zeuge.
Die Spitalsärztin, die den 35-Jährigen im Krankenhaus aufgenommen hatte, stellte bei diesem ebenfalls keine Wirkungen eines Sprays fest. Der gebürtige Villacher wies insgesamt fünf Schussverletzungen auf. Auf ihre Frage, was passiert sei, habe dieser "Ich erinnere mich an nichts" erwidert, schilderte die Ärztin.
Urteil im Jänner 2014
Der Prozess ist auf 21. Jänner 2014 vertagt worden. Es wird zumindest drei weitere Verhandlungstage geben. Das Urteil könnte am 30. Jänner fallen. Ob der Angeklagte bis zum nächsten Termin in U-Haft bleibt, entscheidet sich im Dezember. In Ungarn wird alle sechs Monate eine Haftprüfung durchgeführt, die letzte hat im Juni stattgefunden.
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