14.11.2000: Pressekonferenz mit dem damaligen Landeshauptmann Franz Schausberger (li.). Auch dabei: Ministerialbeamter Horst K. (gepixelt)

© Walter Schweinöster

Kaprun-Katatstrophe
02/21/2014

Horst K. oder: Wie man sich selbst einen Persilschein ausstellt

Der Experten-Kommission sind bei der Übersetzung zwei Mitglieder abhandengekommen.

Als in den ersten Tagen nach der Brandkatastrophe von Kaprun, bei der am 11. 11. 2000 155 Menschen starben, Ermittler das Brandwrack der "Kitzsteingams" untersuchen, sind sie in Gesellschaft von Beamten des Verkehrsministeriums. Keine schöne Optik: Ministerialbeamte aus Wien, die den Zug abgenommen und genehmigt hatten, müssen mit Ermittlungen gegen ihre Person rechnen – befinden sich aber unmittelbar am "Tatort".

Einer von ihnen, der Leiter der Obersten Seilbahnbehörde Horst K., befindet sich auch in Kaprun. Am Tag nach der Katastrophe sagt er gegenüber den vielen internationalen Journalisten: Im "oberen Bereich des Zuges" habe man die "Türen geöffnet" vorgefunden. – "Nein, wir haben nichts gesehen", muss er am nächsten Tag eingestehen, als Bilder des bis zum Chassis abgebrannten Zuges öffentlich werden.
Im Ermittlungsverfahren wird K. als Beschuldigter geführt, weil er 1993 die Genehmigung für den Umbau des Zuges erteilt hatte. Damals wurden verhängnisvollerweise Styropor, glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK), Ringgummimatten und weitere brandgefährliche Stoffe verbaut. Das Verfahren gegen K. wird wegen Verjährung eingestellt. Doch drei seiner Kollegen aus dem Ministerium landen neben 13 anderen auf der Anklagebank.

International

Mitte November 2000 beruft die damalige Verkehrsministerin Monika Forstinger eine "Internationale Expertenkommission" ins Leben, beschickt von Seilbahn-Experten aus Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz. Im Dezember 2001 liegt der Abschlussbericht vor: Die Katastrophe sei "ein in diesem Ausmaß neues, bisher nicht erkanntes Gefährdungsbild" gewesen – eine Entlastung für die Angeklagten. Kein Beamter konnte mit einem Brand in einer Standseilbahn rechnen, weil eben noch nie zuvor eine gebrannt hatte.

In der deutschen Version des Berichts, die dem Kaprun-Richter vorgelegen ist, besteht die Expertenkommission aus acht Mitgliedern.

Doch im französischen Originalbericht sind es zehn.

Zwei Ministerialbeamte sind bei der Übersetzung ins Deutsche "verloren gegangen", darunter Horst K.

Pikantes Detail

Noch ein pikantes Detail: Alle zehn Experten der Kommission sind Mitglieder in der OITAF, der internationalen Seilbahnorganisation. Jeder zweite Angeklagte im Kaprun-Prozess war Mitglied in der OITAF. Und Präsident der OITAF von 1999 bis 2005 war: Horst K.

Der KURIER hat sich um eine Stellungnahme von K. bemüht: Nach Auskunft seiner Frau ist er verreist und für den KURIER nicht zu sprechen. Aus dem Verkehrsministerium heißt es: "Sämtliche offenen Fragen wurden im Strafverfahren abgehandelt. Damit ist die rechtliche Klärung abgeschlossen."

Eine Reportage zum Thema Kaprun-Katastrophe und die Folgen sehen Sie am Montag in „Thema“, 21.10 Uhr, ORF 2.

"155 – Kriminalfall Kaprun" von Godeysen/Uhl, edition a. 19,95 € www.155.at