Gefahr extremer Hochwasser in den Alpen steigt deutlich
Zusammenfassung
- Eine neue Studie prognostiziert für den Alpenraum künftig häufigere und um fünf bis 15 Prozent intensivere hundertjährliche Hochwasser.
- Als Hauptursache nennen die Forschenden klimawandelbedingt stärkere Starkniederschläge, die den Rückgang der Schneeschmelze überkompensieren.
- Die Analyse auf Basis stündlicher Daten aus 384 Flüssen in der Schweiz und Österreich stellt frühere Prognosen infrage und hat Folgen für Hochwasserschutz und Gefahrenkarten.
Die Gefahr von extremen Hochwassern im Alpenraum wird laut einer neuen Studie zunehmen. Zu diesem Schluss kommt das Schweizer WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF auf Basis von neuen Simulationen mit stündlichen Messdaten. Hundertjährliche Hochwasser (HQ100) werden in den Alpen um fünf bis 15 Prozent intensiver, so das WSL am Donnerstag. Ein solches Ereignis könne künftig zudem häufiger auftreten, nämlich alle 45 bis 80 Jahre, zeigen auch Daten aus Österreich.
Moderate Hochwasser, wie etwa das zweijährliche, zeigten in den Bergen nach wie vor einen Rückgang. „Extreme Ereignisse verändern sich stärker als moderate Hochwasser“, so der Erstautor der im Fachmagazin Science Advances erschienenen Studie, Paul Astagneau, in einer Aussendung.
Grund sind klimabedingte, intensivere Starkniederschläge
Als Grund für die Zunahme der Extremereignisse nannten die Forschenden die klimawandelbedingten, intensiveren Starkniederschläge. Diese überkompensierten die abnehmende Schneeschmelze. Pro Grad Erwärmung nehme die Intensität stündlicher Starkregen um rund sieben Prozent zu.
Bisherige Prognosen gingen von stabilen oder abnehmenden Hochwassern aus. Sie basierten jedoch auf täglichen Daten, welche kurze, heftige Niederschläge nicht ausreichend abbildeten. Für die neue Studie simulierte ein Hydrologe die Ereignisse mit stündlichen Daten von 384 Flüssen im Alpenraum in der Schweiz und Österreich.
Zentraler Maßstab für Hochwasserschutz
In der Schweiz ist das HQ100 der zentrale Maßstab für den Hochwasserschutz und die Raumplanung. Auf Basis von historischen Daten, Geländemodellen und Niederschlagsmengen erstellen die Kantone in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) sogenannte Gefahrenkarten.
Der Begriff „Jahrhunderthochwasser“ verliert durch den Klimawandel aktuell an Verlässlichkeit. Wenn die Atmosphäre wärmer wird, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was zu extremerem Starkregen führt. Ein Wasserstand, der vor 50 Jahren statistisch noch als „100-jährlich“ galt, tritt heute an vielen Gewässern deutlich häufiger auf. Deshalb müssen Behörden diese Statistiken und Gefahrenkarten regelmäßig nach oben korrigieren.
Hier gehts zur Studie (externer Link).
Kommentare