Eschenprachtkäfer rückt näher: Österreich aktiviert Notfallplan
Zusammenfassung
- Der aus Asien eingeschleppte Eschenprachtkäfer wurde erstmals in der EU in Ungarn und kurz darauf auch in der Slowakei nachgewiesen; Österreich aktivierte daraufhin EU-Notfallmaßnahmen.
- Der Käfer befällt europäische Eschen über Larven im Kambium und kann gemeinsam mit dem ebenfalls invasiven Eschentriebsterben zum langsamen Absterben der Bäume führen.
- Wegen der Nähe der Fundorte zur Ukraine und der Gefahr der Verschleppung über Verkehrs- und Holztransporte verstärkt Österreich die Überwachung und setzt einen Notfallplan um.
Ein grün schillernder Käfer krabbelte in Ungarn in eine Lockstofffalle - und die Europäische Union reagierte mit Quarantäne-Notfallmaßnahmen. Der Eschenprachtkäfer kommt ursprünglich aus Asien und hatte in der Vergangenheit bereits für tausendfaches Eschensterben in Nordamerika und Russland gesorgt. Kurz nach seinem Auftauchen in Ungarn wurden 18 weitere Exemplare in der Slowakei entdeckt. Auch in Österreich wurden die EU-Maßnahmen ergriffen.
Eine weitere invasive Art führt derzeit zudem zum „Eschentriebsterben“. Dabei handelt es sich um eine Pilzkrankheit, die ebenfalls aus Asien stammt. Für die dortigen Bäume stellen weder Käfer noch Pilz eine Bedrohung dar, für europäische Eschen allerdings sehr wohl. Vermutet wird, dass die Eschentriebsterben-Pilze die Bäume anfälliger für den Eschenprachtkäfer machen, wie Gernot Hoch vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) erklärt.
Langsamer Tod durch Larven
„Ein Eschenprachtkäfer legt seine Eier an der Rinde von Eschen ab“, sagt Hoch. Die Larven würden dann schlüpfen und sich schlängelnd ins Kambium, eine dünne Wachstumsschicht zwischen Rinde und Holz, fressen. Wenn sich die Larvengänge rund um den Stamm oder Ast winden, ist er „geringelt“ und der Stofftransport für den darüber liegenden Teil unterbrochen. Für die Bäume ein schleichender Tod, der über mehrere Jahre hinweg andauert. Oft ist zuerst die Krone betroffen, dann der Stamm.
Der Eschenprachtkäfer kann selbst zwar nur wenige hundert Meter weit fliegen, breitet sich aber stattdessen durch den Transport über Eisenbahn- und Straßenverkehr aus, wie etwa mit Holztransporten. Aus Ostasien seien die Käfer auf diese Weise zuerst nach Russland und dann weiter in die Ukraine gelangt. „Aufgrund des Krieges konnten dort keine wirksamen Pflanzenschutzmaßnahmen umgesetzt werden“, heißt es vonseiten des Landwirtschaftsministeriums.
Die kürzlichen Käfer-Funsorte in Ungarn und der Slowakei liegen an der ukrainischen Grenze und sind rund 60 Kilometer voneinander entfernt. „Der gleichzeitige Fund an zwei Orten lässt vermuten, dass der Eschenprachtkäfer in dieser Region schon verbreitet ist“, erklärt Hoch. Sie liegt 500 Kilometer westlich des bisher bekannten Befallsgebietes und ist somit 350 Kilometer von Österreich entfernt.
Verstärkte Überwachung und Notfallplan
Für heimische Betriebe seien nun besondere Vorsichtsmaßnahmen geboten: Eschen und die ebenfalls betroffenen Schneeflockensträuche dürfen nur eingeführt werden, wenn sie mindestens 100 Kilometer von der Befallszone entfernt gewachsen sind. In Österreich werde nun auch die Überwachung mittels Lockstofffallen verstärkt. „Besonderes Augenmerk gilt Standorten entlang wichtiger Verkehrswege sowie Regionen mit intensiven Verkehrs- und Warenverbindungen zur Ukraine“, erklärt das BFW.
Der für die Forstwirtschaft zuständige Minister Norbert Totschnig (ÖVP) ist der Auffassung, dass Österreich gut vorbereitet ist: „Für den Ernstfall liegt ein spezifischer Notfallplan für den Asiatischen Eschenprachtkäfer vor, um eine Ausbreitung des Schädlings bestmöglich zu verhindern und unsere Wälder zu schützen“, erklärt er.
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