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Nirgends in Europa ist es aktuell so heiß wie in Österreich: Warum ist das so?

Wie lange dauert die aktuelle Hitzewelle noch - und wie sieht die „neue Normalität“ im Sommer aus? Wir haben bei Meteorologin Jessica Spengler nachgefragt.
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Noch vor dem Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle fielen am Montag die ersten Rekorde. 40,1 Grad Celsius wurden in Stammersdorf in Wien gemessen - so viel wie noch nie in der Bundeshauptstadt. Und doch hielt der Rekord keine 24 Stunden.

Bereits gegen 14 Uhr hieß es am Dienstag: Rekord eingestellt. Und die Temperaturen steigen noch weiter. Noch bis Freitag hält sich die aktuelle Hitzewelle im Osten Österreichs.

Was noch zu erwarten ist und ob das die neue „Normalität“ im Sommer ist, erklärt Metereologin Jessica Spengler von der Ubimet im KURIER-Interview.

KURIER: Nicht Spanien oder Griechenland ist die aktuell heißeste Region Europas, sondern es ist der Alpenraum, es ist Österreich. Warum ist das so?

Jessica Spengler: Ein Tief über Nordwesteuropa schaufelt aktuell extrem heiße Luft aus Spanien und Nordafrika in den Alpenraum. Dieser Tiefdruckkomplex setzt sich zusammen aus Tief Ingrid und Justine über Großbritannien. Durch die Drehung gegen den Uhrzeigersinn werden die Luftmassen von Spanien an den Alpenraum herangeführt. In Spanien sorgt jetzt eine Kaltfront für Abkühlung, somit bekommen nur wir aktuell das heiße Wetter ab.

Die Modellrechnungen für den Klimawandel zeigen insgesamt, dass der Alpenraum noch über dem weltweiten Durchschnitt betroffen ist. Also weltweit rechnen wir aktuell mit rund 2,5 Grad, für den Alpenraum gehen die Modelle von bis zu 4 Grad aus. Also müssen wir uns an solche Sommer gewöhnen, ist das die neue Normalität?

Das bringt der Klimawandel nun mal mit sich, dass diese Extreme häufiger werden. Und das betrifft nicht nur die Temperaturen, sondern auch andere Extremwetterereignisse wie Starkregen und Unwetterlagen.

Müssen wir also jeden Sommer mit solchen Hitzeperioden rechnen?

Es wird natürlich auch wieder einmal Phasen geben, in denen wir im Sommer unter dem Klimamittel sind. Aber grundsätzlich ist die Richtung klar: Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Extreme stärker werden.

Folgt auf jede Hitzeperiode eine Extremwetterphase mit starken Niederschlägen? Können wir im September dann auch mit einer längeren Regenperiode rechnen?

Das kann man so nicht sagen. Und der September ist auch noch eine Weile hin. Grundsätzlich hat das damit aber nichts zu tun. Also es ist natürlich nicht so, dass auf eine extrem heiße Hitzeperiode dann quasi automatisch eine längere Niederschlagsphase kommt.

Der Klimaforscher Gottfried Kirchengast hat die aktuelle Hitzewelle als die schlimmste, die wir je hatten, bezeichnet. Der aktuelle Temperaturrekord in Österreich mit 40,5 Grad stammt vom August 2013. Was unterscheidet diese Hitzewelle jetzt von denen davor so stark?

Entscheidend ist die Länge der Hitzeperiode. Wir sind auch schon sehr heiß in den Sommer gestartet, mit den ersten Hitzewellen schon im Mai. Aktuell findet Abkühlung auch in den Nächten kaum mehr statt – mit ganz deutlichen Tropennächten teils um 25 Grad auch im Osten. Man geht dann schon morgens auf einem hohen Niveau in den Tag – und dann bauen sich die Temperaturen bis in die Abendstunden auf. Das ist per se natürlich noch nicht besonders. Es ist die Dauer, die aktuell den Unterschied macht.

Wie groß ist der Effekt der Hitzeinseln in den Städten bei so hohen Temperaturen denn da noch? Der aktuelle Wien-Rekord wurde am Montag nicht im dicht verbauten Zentrum gemessen, sondern in Stammersdorf, am vergleichsweise lichten Stadtrand.

Die Hitzeinseln in den Städten bringen definitiv bis zu fünf Grad mehr in der Stadt als im Umland, besonders in der Nacht. Die Häuser und der Asphalt geben dann langsam wieder die gespeicherte Hitze ab. Dazu kommt, dass auch der Wind nicht so durchgreifen kann wie auf unverbauter Fläche – und weniger Wasser verdunsten kann, weil es weniger Pflanzen gibt.

Kann man da noch gegensteuern? Oder ist der Zug auf dem Niveau jetzt mal abgefahren?

Jeder kann immer noch seinen Beitrag dazu leisten. Wir müssen uns auch die Frage stellen, wie wir künftig unsere Städte planen. Dass wir zum Beispiel auch unsere Städte begrünen und Frischluftschneisen  lassen. Also gerade was die Abkühlung in den Städten betrifft, kann man schon noch einiges machen. Der generelle Anstieg der Temperatur aber, der ist jetzt da.

Zum Schluss noch: Wann können wir jetzt konkret mit dem Ende der aktuellen Hitzewelle rechnen?

Also der Donnerstag und Freitag bringen durchwegs auch kräftigere Gewitter mit sich. Besonders im Westen des Landes geht dann die Temperatur zurück, da haben wir tatsächlich dann auch mal Höchstwerte von nur 23 Grad im Westen. Aber schon am Samstag steigen die Temperaturen schon wieder an. Es wird also nur eine kurze Abkühlung. Danach stellt sich wieder warmes Sommerwetter ein.

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