© Klaus Pichler

Chronik Österreich
12/16/2020

Herrn M. dabei helfen, wieder Vertrauen zu fassen

Personen am Rand der Gesellschaft trifft die aktuelle Corona-Pandemie besonders hart

von Anna-Maria Bauer

Zu Jahresbeginn lief es für Herr M. zum ersten Mal seit Langem wieder besser.

Er hatte seit Monaten keinen Alkohol getrunken, war nicht mehr länger obdachlos, sondern hatte einen Heimplatz und absolvierte auch eine Ausbildung zum Bürokaufmann.

Doch dann kam im Frühling der erste Lockdown, der soziale Kontakt durch die Ausbildung brach weg, und mit der Einsamkeit kam die Depression zurück. Im Supermarkt liebäugelte er nun wieder öfters damit, doch Alkohol zu kaufen. Und auch seine regelmäßigen Therapiestunden mit Psychotherapeutin Nina Pöll konnten nicht mehr stattfinden.

Fünf Therapeuten

Nina Pöll ist eine von fünf Therapeuten, die in der Caritas-Einrichtung „Die Gruft“ in Wien-Mariahilf ihre Dienste anbieten. Nicht nur bei Herrn M. Arbeit war ihre Arbeit heuer besonders gefragt. Die Corona-Pandemie beschäftigt alle, die Ärmsten trifft sie gemeinhin noch härter. Und jene, die davor schon mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten, sind noch mehr auf Hilfe angewiesen.

Das bestätigt Susanne Peter, Projektleiterin des Caritas Streetwork. „Viele Personen, die wir auf der Straße treffen, wollen in kein Notquartier, weil sie Angst haben, sich anzustecken.“

Gleichzeitig wird das Leben auf der Straße schwieriger. Viele haben vor der Pandemie von Essensresten im Mistkübel und Essensspenden der Passanten gelebt. Wenn die Menschen weniger auf der Straße und Lokale geschlossen sind, fällt das weg.

Die mobilen Suppenbusse der Caritas haben heuer bis dato daher 83.500 Teller heiße Suppe auf Wiens Straßen und in Notquartieren verteilt – knapp 11.500 Portionen mehr als im Vorjahr.

Psychologische Hilfe

2.127 Menschen wurden bis Mitte November in der Gruft bzw. im Rahmen von Streetwork sozialarbeiterisch betreut; 72 Personen haben Therapiestunden in Anspruch genommen.

Die Therapie erfüllt dabei oft zwei Aspekte: Neben der Aufarbeitung von psychischen Problemen oder Traumata lernen viele Klienten wieder Vertrauen zu einer Person zu fassen, sich zu öffnen.

Seelische und soziale Gesundheit

„Gesund ist ein Mensch nicht nur, wenn er körperlich fit ist“, sagt Pöll. „Die seelische und soziale Gesundheit gehört auch dazu. Sie rechnet im kommenden Jahr mit erhöhtem Bedarf. „Die Masken, die soziale Distanz, das macht etwas mit uns“, sagt sie.

Im Falle von Herr M. ging am Ende doch alles gut. Der 52-Jährige gab dem Drang zum Alkohol nicht nach. Die drei Jahre andauernde Therapie hatte ihn genug gestärkt und mittlerweile kann er auch wieder ins Caritas-Tageszentrum kommen.

„Aber“, sagt er, „lange hätte ich es nicht mehr ausgehalten.“ Bezahlt werden die Therapiestunden in der Gruft auch durch die Kardinal-König-Patenschaft. Seit 2005 gibt es diese Unterstützung von Raiffeisen und KURIER. Heuer ist diese Hilfe besonders wichtig.

 

Das Spendenkonto für die Caritas-Gruft:

Iban: AT 46 3200 0000 0811 9901

BIC: RLNWATWW

Kennwort: Kardinal-König-Patenschaft

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