© Anja Kröll

Reportage
03/09/2021

Ausreisekontrollen in Hermagor: Von Schleichwegen und Pendlern

Aus dem Bezirk Hermagor kommt man nur noch mit Ausreistest. Warum Wiener Neustadt auch im Gailtal Thema war.

von Anja Kröll

Viele Worte waren es nicht, die Dienstagfrüh zwischen dem Rüsthaus der Freiwilligen Feuerwehr und den Betonabsperrungen auf der B111 bei St. Paul gewechselt werden mussten. "Die Leute wissen, warum wir hier sind und was sie zu tun haben", brachte es Adolf Winkler, Chef der Kärntner Verkehrspolizei, auf den Punkt. Er und seine Kollegen kontrollierten gemeinsam mit Polizisten aus dem Bezirk Hermagor seit Mitternacht die Ausreise im Südwesten Kärntens.

Der KURIER hat sich Vorort angesehen, wie die Kontrollen funktionieren, welche Probleme es gibt und wie die Bevölkerung auf die Ausreisebeschränkungen reagiert.

In der Praxis sah dies um 6:45 Uhr so aus: Autofahrer fährt mit Maske, heruntergelassenem Fenster und gezücktem negativen Corona-Test vor. Polizist in gelber Warnweste wünscht schönen Guten Morgen, blickt auf das Handy oder den Ausdruck des Tests und winkt durch. Zeitdauer: unter zehn Sekunden. Staus oder längere Wartezeiten bleiben aus. 

Die Kriterien für die Ausreise

Zur Erinnerung: Aus dem Bezirk darf nur ausreisen, wer über einen negativen Corona-Test, nicht älter als 48 Stunden, verfügt. Mit einer Ausnahme: Wer ein  ärztliches Attest für eine Coronavirus-Erkrankung innerhalb der vergangenen sechs Monate vorweisen kann, hat ebenfalls freie Fahrt. "Wir waren wirklich überrascht, wie viele Leute bereits über solch ein ärztliches Attest verfügen, aber irgendwoher müssen die Zahlen ja kommen", erklärte Winkler.

Eben diese Zahlen hatten Hermagor wochenlang über die Grenzen Kärntens hinaus zu unerwünschter Berühmtheit verholfen. Der Bezirk im Südwesten Kärntens galt als Spitzenreiter bei der Sieben-Tages-Inzidenz in ganz Österreich. Dienstagfrüh lag die Bezirks-Inzidenz erneut bei 593. Viele Pläne wurden vom Land Kärnten zur Senkung der Zahlen seit Februar geschmiedet.

Angefangen von einem Zwölf-Punkte-Plan mit verschärften Kontrollen, mehr Tests, einer Testung vor Auslaufen der Quarantäne bis hin zu Testmöglichkeiten im Skigebiet Nassfeld. Die erwünschte Wirkung für den Kärntner Corona-Hotspot sollten sie alle nicht erzielen.

Von Hotspot zu Hotspot

Auf dem Kontroll-Hotspot auf der B111 - einer von sieben im Gailtal - schienen die Maßnahmen aber zu greifen. "Bis 7.30 Uhr passierten mehr als 500 Fahrzeuge die Kontrollstelle, rund 700 Personen wurden beim Verlassen des Bezirks kontrolliert", sagte Bezirkspolizeikommandantin Katrin Horn. Die 39-Jährige hat für die zehntägige Dauer der Kontrollen doppelt so viele Beamte in ihrem Bezirk zur Verfügung wie in normalen Zeiten. "Wir müssen die Checkpoints besetzen und die Kollegen brauchen auch Pausen", erklärt Horn. 

Von der Bevölkerung wurden die Kontrollen Großteils gut aufgenommen. Bis auf einen weißen VW-Fahrer, der sich lautstark darüber beschwerte, "dass die Polizisten nach dem Kontrollieren der Testbescheide gefälligst ihre Handschuhe zu wechseln hätten." Ganz anders sah dies Astrid Ebenwallner, blitzblaues Auto: "Ich pendle jeden Tag nach Villach und finde die Kontrollen in Ordnung. Wir müssen zusammenhelfen, damit Zahlen sinken." Nachsatz: "Ich halte mich an die Vorschriften und suche jetzt auch keine Schleichwege."

Der Schleichweg als Schlupfloch

Denn diese Schleichwege gibt es nach wie vor auf dem Weg aus Hermagor. "Das wissen aber nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Polizei", sagte Kärntens Polizeisprecher Rainer Dionisio. 

Thema Wiener Neustadt im Kärntner Gailtal

Neben den Schleichwegen war es vor allem ein Stichwort, das unter den Anwesenden für Diskussionen sorgte: die bevorstehenden Ausreisetests aus Wiener Neustadt am Samstag. "Ich kann mir ja gut vorstellen, dass man den Bezirk Hermagor bei der Ausreise kontrolliert, aber wie das in Wiener Neustadt funktionieren soll? Da sind die Kollegen nicht zu beneiden", sagte einer der Polizisten in gelber Schutzweste. 

Stimmung in Hermagor

Und wie läuft es hinter den Betonabsperrungen der Kontrollen ab? "Die Stimmung in Hermagor ist gut. Auch das mit den Tests klappt tadellos. Ich habe mir für die kommenden zehn Tage alle Testtermine für die Ausreise fixiert. Das war kein Problem", erzählt ein Pendler nach Klagenfurt im KURIER-Gespräch.

Was offenbar auch besser funktionieren dürfte, ist das Einhalten der Corona-Regeln. Immer wieder waren Polizeimeldungen aus Hermagor über illegale Parties und Eisstockfeste aufgetaucht. Alleine 37 Anzeigen gab es gegen Beherbergungsbetriebe, die trotz Verbots weiter Unterkünfte an Touristen vermieteten hatten. "Die Leute haben den Ernst der Lage mittlerweile erkannt", ist auch Bezirkspolizeikommandantin Horn überzeugt. 

Aufrechterhalten werden muss die Testpflicht bis die Inzidenz nachhaltig (für zehn Tage) unter 200 gefallen ist, das gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in einem Erlass vor. Dagegen kündigte Kaiser am Dienstag vor Journalisten Protest an, weil die Kontrollen zu viele Ressourcen binden würden. „Ich warte auf weitere Gespräche, die wir zweifelsohne am Montag nächster Woche führen werden.“ Eine alternative Zielvorgabe für die Aufhebung der Ausfahrtskontrollen machte Kaiser auch auf Nachfrage nicht.

Doch zurück zur polizeilichen Einsatzbilanz von Dienstagfrüh: zehn Zurückweisungen gab es wegen fehlender Covid-Tests, eine Anzeige wegen fehlender Masken bei einer Fahrgemeinschaft, so die Bezirkspolizeikommandantin. 

Die Polizei kontrolliert an sieben Straßenverbindungen und auch die Zugverbindung Hermagor-Villach.

  • B111 – direkt an der Landesgrenze zu Osttirol
  • B110 – Gailbergsattel Verbindung Kötschach/Oberdrauburg
  • B87 – Kreuzbergsattel Verbindung Hermagor/Greifenburg
  • B111 – St. Paul/Gail Verbindung St. Paul/Nötsch
  • L33 – Windische Höhe Verbindung St. Stefan/Paternion
  • L36 – Tratten Bezirksgrenze Verbindung St. Stefan/Nötsch
  • L27 – Leichenhalle Vorderberg
  • Verbindung St. Stefan/Feistritz/Gail -Zugsverbindung Hermagor/Villach-Land an der Haltestelle St. Stefan-Vorderberg
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