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HCB-Skandal
12/15/2014

Quecksilberspuren in Gemüse

600 Tonnen HCB-belastetes Futter soll außerhalb Kärntens verbrannt werden.

von Thomas Martinz

Die Befürchtungen, wonach im Wietersdorfer Zementwerk bei der Verbrennung von Blaukalk neben Hexachlorbenzol weitere Giftstoffe in die Umwelt gelangt sind, haben sich bewahrheitet: In Spinat und Zuckerhut sind im Kärntner Görtschitztal erhöhte Quecksilberspuren aufgetreten. Bekannt wurde weiters, dass 600 Tonnen HCB-belastete Futtermittel außerhalb Kärntens verbrannt werden.

Am Montag erneuerte das Land die Warnung, die heimischen Lebensmittel nicht zu verzehren. Bei zwei Landwirten, die wegen HCB-Werten in Rohmilchproben gesperrt sind, wurde Quecksilber in Spinat und Zuckerhut gemessen – es handle sich um Lebensmittel für den Hausgebrauch, der nicht in den Verkehr gegangen sei, betont Albert Kreiner, Krisenkoordinator des Landes. Quecksilber gelange – wie auch HCB – bei nicht sachgemäßer Blaukalk-Verbrennung in die Umwelt.

Risikobewertung

In den Proben wurde 0,01 mg/kg Quecksilber gemessen. "Für Gemüse gibt es aber keine Quecksilber-Grenzwerte. Wir haben zum Vergleich Probenergebnisse von Global 2000 herangezogen, die im Oktober 2014 über Speisefisch aus dem Attersee veröffentlicht wurden. Das im Görtschitztal festgestellte Quecksilber ist 1/50 des Höchstgehalts in Süßwasserfischen", führt Kreiner aus. Das sei gesundheitlich unbedenklich, Umweltmediziner würden jedoch noch eine Risikobewertung durchführen. Die Betroffenen Landwirte wurden verständigt und entsorgten ihr Gemüse im Hausmüll.

Wo die HCB-belasteten Futtermittel aus dem Görtschitztal entsorgt werden, ist hingegen weiter fraglich, 600 Tonnen lagern in den Ställen der Landwirte. In einer ersten Phase würden die Heuballen zum Wietersdorfer Zementwerk geführt, wo sie gelagert werden sollen, sagt Kreiner. Letztendlich muss das Tierfutter aber verbrannt werden – und zwar wie Blaukalk mit Temperaturen zwischen 850 und 1100 Grad. In Kärnten besteht diese Möglichkeit in der Müllverbrennungsanlage in Arnoldstein. "Technisch wäre es möglich, aber Futter ist eine Abfallart, die in unserem Genehmigungsumfang nicht enthalten ist", winkt Geschäftsführer Günter Zellinger ab. Das Land prüft Möglichkeiten, in anderen Bundesländern in Auftrag zu geben. In Frage kommen könnten etwa Anlagen in Dürnrohr (NÖ), Wels (OÖ) oder Wien. Das Zementwerk hat eine Finanzierungszusage für den Transport und die Verbrennung abgegeben.

Auch das Land wird sich beim Werk schadlos halten. In der heutigen Regierungssitzung wird ein Überbrückungsfonds über eine Million Euro für die Betroffenen beschlossen. "Jede Ausgabe wird beim Verursacher regressiert werden", versichert Landeshauptmann Peter Kaiser.

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