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Chronik Österreich
06/21/2021

Hase an Baum genagelt: Tierquälerei ist „Risikofaktor für spätere Gewalttaten“

Ein Tierquäler hat erneut nahe Graz zugeschlagen. Zwei Expertinnen erklären, was Menschen zu solchen Taten antreibt

von Anja Kröll

Es ist ein Fall, der sprachlos macht: In Hausmannstätten (Bezirk Graz-Umgebung) wurde ein toter, an einen Baum genagelter Hase gefunden. Es war der bereits zweite Fall in dieser Gegend.

Wie die Polizei am Montag bekannt gab, hatte ein Spaziergänger Sonntagnachmittag die Exekutive verständigt, dass er in einem Wald in der Nähe eines Reitstalls das tote Tier entdeckt hatte. Ein Aufsichtsjäger stellte wenig später fest, dass der Hase vor etwa zwei Wochen getötet worden war. Der Kadaver wurde sichergestellt und kommt nun zur Untersuchung an die veterinärmedizinische Universität Wien. Es handelt sich bei dem Fundort genau um jene Stelle, wo bereits Ende April ein geköpfter Hase an einen Baumstumpf genagelt gefunden worden war. Ein Zusammenhang zwischen den Fällen dürfte bestehen. Die Polizei ermittelt wegen Tierquälerei.

Erst vor rund einem Monat hatte eine Serie von Tierquälereien an Katzen für Entsetzen gesorgt. In Tirol und Oberösterreich wurden insgesamt drei Stubentiger mit Projektilen aus Luftdruckgewehren angeschossen. Eine trächtige Katze verendete. Doch was geht in Menschen vor, die solche Taten verüben?

Wer wird zum Tierquäler?

„Dazu gibt es verschiedenste Überlegungen. Eine geht ganz klar davon aus, dass der Täter einem wehrlosen Gegenüber Schmerz zufügen will, um sich so selbst mit Macht aufzuladen und seine aggressiven Spannungen abzubauen. Klarer Sadismus“, erklärt Psychiaterin und Gutachterin Sigrun Roßmanith.

Und auch Theresia Wolf, Klinische- und Gesundheitspsychologin in Graz, liefert im KURIER-Gespräch eine ähnliche Erklärung: „Es geht um bewusste Schmerzzuführung. Studien haben gezeigt, dass Täter, die selbst in der Kindheit Gewalt erfahren haben, diese weitergeben. Oftmals geht es auch um Machtausübung. Man fühlt sich selbst minderwertig und indem man Macht gegenüber einem anderen Lebewesen ausüben kann, erzeugt man ein positives Gefühl.“

Vorstufe zu weiteren Taten

Grundsätzlich unterscheiden Experten bei Tierquälerei zwischen zwei Arten: Dem Vernachlässigen und dem Quälen von Tieren.

Studien belegen immer wieder auch einen Zusammenhang zwischen Tierquälerei und späteren Straftaten. Dies bestätigt auch Roßmanith ganz klar: „Tierquälerei in der Kindheit ist einer der wesentlichsten Risikofaktoren für spätere Gewalttaten“, erklärt die bekannte Psychiaterin, die etwa den Fall der Giftmörderin Elfriede Blauensteiner begutachtete.

„So schlimm dies klingt, aber für manche Täter ist Tierquälerei eine Art Lernen am lebenden Modell. Wenn die Hemmschwelle überschritten ist, ein Tier zu töten, und man kommt damit klar, ist eine Gewalttat an einem Menschen oft der nächste Schritt“, sagt auch Wolf.

Eine gute Nachricht zum Schluss: Kater „Mogli“, der Mitte Mai mit fünf Projektilen am Wegesrand des Truppenübungsplatzes Allentsteig aufgefunden wurde, geht es wieder gut. Das Tier befindet sich nach einer Not-OP in der Obhut einer Pensionistin.

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