Chronik | Österreich
27.09.2018

Haltungsverbot für Welpen im Handel, Verkauf bleibt erlaubt

FPÖ und ÖVP planen eine Novelle des Tierschutzgesetzes. Expertinnen fürchten aber Verschlechterungen.

Die Haltung von Hunde- und Katzenwelpen in Zoofachhandlungen soll Anfang 2019 verboten werden. Ein von FPÖ und ÖVP im Nationalrat eingebrachter Initiativantrag auf Änderung des Tierschutzgesetzes sieht zudem höhere Strafen für illegalen Tierhandel und Tierquälerei vor. Wunschlos glücklich sind Tierschützer, die seit Jahren auf ein Verbot des Welpenverkaufs im Zoofachhandel drängen, mit der Regelung aber nicht.

Tiere seien Lebewesen und keine Ware, die man in Geschäften ausstellt, kommentiert die für Tierschutz zuständige Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) die Initiative. Besonders für Jungtiere stelle dies einen besonderen Stressfaktor dar.

Zoofachhändler, die am 30. September eine aufrechte Betriebsbewilligung haben, dürfen von dieser noch bis 31. Dezember 2019 Gebrauch machen, heißt es im türkis-blauen Initiativantrag. Da  die Unterbringung der Tiere  in sogenannten Pflegestellen  ermöglicht werde, gebe es aber keine Notwendigkeit, Hunde und Katzen weiterhin in Verkaufsräumen zu halten.

„Mogelpackung“

Die „Vier Pfoten“, die mehr als 52.000 Unterstützungserklärungen für die Forderung sammelten, begrüßen zwar die Entscheidung, dass Jungtiere nicht mehr in Zoofachhandlungen ausgestellt werden dürfen. Dass der Verkauf per se nicht untersagt wird, bereitet Kampagnenleiterin Martina Pluda jedoch Kopfzerbrechen. Insbesondere die Unterbringung der Tiere in besagten Pflegestellen sei ein Schlupfloch für die Unternehmer. Die könnten die Welpen nun ja außerhalb der Geschäfte halten und den Verkauf weiter über ihren Betrieb abwickeln, überlegt sie. Das Problem der fragwürdigen Herkunft der Tiere werde so nicht gelöst.

In dieselbe Kerbe schlägt die Wiener Tierschutzombudsfrau, Eva-Maria Persy. Für sie ist die angestrebte Gesetzesänderung sogar „eine Mogelpackung“. Man tausche ein Problem gegen ein anderes  und verkaufe dies als Fortschritt, kritisiert sie.

„Die Tiere sind zwar nicht mehr in der Zoofachhandlung, sie kommen aber weiter aus unkontrollierten ausländischen Zuchten. Man weiß weiter nichts über die Haltung dort, über die Trennung vom Muttertier oder über den Transport.“

Zoofachhändler dementieren das. Sie verstehen den behördlich kontrollierten Verkauf von tierärztlich überprüften Jungtieren als einzig wirksames Mittel gegen den illegalen Welpenhandel.

Das größte Problem sieht Persy aber in den Pflegestellen. „Für die gelten dieselben Anforderungen wie für jeden herkömmlichen privaten Tierhalter. Die Behörde überprüft sie nicht automatisch. Das ist intransparent.“ So sei Pflegestellen, die dem Amt bloß gemeldet werden müssen, etwa keine maximale Tieranzahl vorgeschrieben. Und auch die Haltung der Welpen in Zwingern könne nicht ausgeschlossen werden. Die Frage sei also, inwieweit hier von einer Verbesserung für die Tiere die Rede sein könne. Vom Ministerium gab es dazu trotz mehrmaliger KURIER-Anfrage bis Donnerstagabend keine Stellungnahme.

Verzweiflung in der Branche

Persy hält es auch für möglich, dass nun mehr als die 15 bisherigen Zoofachgeschäfte zum Verkauf von Welpen übergehen könnten. Schließlich sei kein Umbau des Geschäfts mehr nötig.

In der Branche hält sich der Optimismus allerdings in Grenzen. Kurt Essmann, Obmann der Berufsgruppe Zoofachhandel in der Wirtschaftskammer Österreich, sagt sogar, er sei verzweifelt. Da man keinerlei Erfahrung mit dem nun angestrebten Prozedere habe, müsse man erst ausloten, ob das in der Praxis umsetzbar sei.