Hirlatzhöhle: Ein Deutscher verstarb hier am Sonntag

© APA/THOMAS LEITNER

Oberösterreich
02/28/2016

Hallstatt: Verletzter Höhlenforscher gestorben

Forscher (54) brach in der Hirlatzhöhle zusammen. Reanimation erfolglos.

von Julia Schrenk, Jürgen Pachner

Es war am Sonntag um 7.30 Uhr, als die Bergrettung alarmiert wurde: In der Hirlatzhöhle – einer 100 Kilometer langen Höhle im Dachsteingebirge in Hallstatt (Oberösterreich) – war Höhlenforscher Stefan D. (54) aus Deutschland bewusstlos zusammengesackt.

Internationales Team

Laut Einsatzleiter Christoph Preimesberger von der Bergrettung Hallstatt passierte das Unglück in den frühen Morgenstunden, etwa 2,5 Stunden Fußmarsch vom Eingang der Höhle entfernt. Der Deutsche war am Freitag gegen 8 Uhr Früh in einer fünfköpfigen internationalen Forschergruppe in die Höhle gestiegen. "Nach der Forschungstätigkeit in der Nacht auf Sonntag, etwa um 2.30 Uhr, wollte Stefan D. zurück zum sogenannten Sprengstellen-Biwak gehen, in dem die Gruppe nächtigte. Dabei ist er zusammengebrochen", sagt Alpinpolizist Michael Gruber, der für die Bergrettung im Einsatz war. Die zwei weiblichen Forscherinnen versuchten, Stefan D. zu reanimieren, während sich die zwei männlichen Kollegen auf den Weg zurück zum Eingang der Höhle machten: Das Absetzen eines Notrufs mit dem Handy in der Höhle war nicht möglich.

Herzversagen

Sonntagvormittag machten sich dann eine Ärztin und drei Höhlenretter auf den Weg zu Stefan D. Später stießen 16 weitere Berg- und Höhlenretter dazu. "Laut unseren ersten Informationen war der Verunglückte in der Höhle bewusstlos", sagt Einsatzleiter Preimesberger. Die Forscherkollegen hätten zwar noch an Ort und Stelle versucht, dem Deutschen zu helfen. Doch dieser ist wahrscheinlich an einem Herzversagen gestorben. Er konnte nicht mehr reanimiert werden. Die Ärztin vermutet einen Sekundentod. Die Bergungsaktion in der Höhle gestaltete sich schwierig. "Es mussten Seilbahnen gebaut und Abseilstellen eingerichtet werden", sagt Einsatzleiter Preimesberger. Die Retter, die zum Teil schon bei der dramatischen Bergung eines Höhlenforschers aus der Riesendinghöhle in Bayern (siehe Bericht rechts) im Einsatz waren, mussten Engstellen passieren und Abseilvorrichtungen in die Höhlenwand bohren. Insgesamt waren 30 Einsatzkräfte in der Höhle. Einsatzleiter Preimesberger ging am frühen Sonntagabend davon aus, dass die Bergung des Toten bis in die Nacht oder sogar bis in die frühen Morgenstunden hinein andauern werde. Der 54-jährige Höhlenforscher Stefan D. aus Walldorf bei Mannheim hinterlässt Frau und Kinder.

Immer wieder schwierige Einsätze in Höhlen

Im August 2010 wird ein 31-jähriger Forscher aus einer Höhle im Mariazellerland nach sechs Stunden gerettet. Er hatte bei einem Sturz Knochenbrüche erlitten.

Im Juni 2014 verunglückt der deutsche Höhlenforscher Johann Westhauser in der Riesending-Schachthöhle in Bayern. Er hatte durch einen Steinschlag ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Elf Tage dauerte seine Rettung aus tausend Metern Tiefe. Mehr als 700 Helfer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien waren beteiligt. 960.000 Euro kostete die Rettungsaktion, der Forscher übernahm einen "nicht unerheblichen Beitrag" der Kosten.

Im August 2014 verunglückt ein polnischer Höhlenforscher in der Jack-Daniels-Höhle bei Salzburg. Der 27-Jährige wird nach 48 Stunden gerettet.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.