Chronik | Österreich
10/02/2016

Gut Aiderbichl: Tierfreunde zahlen weiter

Strafrechtliche Ermittlungen beeinträchtigen Spendenbereitschaft angeblich nicht negativ.

Eine Handvoll Besucher tummelt sich am späten Nachmittag auf Gut Aiderbichl in Henndorf (Salzburg). Lamas, Ziegen und Esel laufen frei über das Gelände. "Wir konnten ihn in letzter Minute zum Schlachtpreis retten", steht auf einem Schild an einer Pferdebox. Das "Tierparadies" scheint trotz schwerwiegender Vorwürfe bemüht, eine heile Welt zu vermitteln.

Geschäftsführer Dieter Ehrengruber kommt direkt aus Deggendorf (Deutschland) von den Vorbereitungen zum Zehn-Jahres-Jubiläum des Standorts zum KURIER-Termin. Routiniert posiert er mit Tieren für Fotos. So, als wäre alles wie immer.

Doch das Image der Tierretter hat in den letzten Monaten erheblichen Schaden genommen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hat im Vorjahr Ermittlungen nach Anzeigen wegen Betrugsverdachts gegen Ehrenhauser, Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser und ehemalige Mitarbeiter eingeleitet.

Genugtuung

Am Dienstag startet in Ried (OÖ) der erste Prozess. Angeklagt sind Günther S., der frühere Gutsverwalter des Gnadenhofs in Maria Schmolln (OÖ), und dessen Schwester Karin K., eine Versicherungsmaklerin.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, das Vermögen von Gerd Viebig (dem früheren Besitzer des Anwesens) geschmälert zu haben. Günther S. soll Hunderttausende Euro zweckentfremdet haben, seine Schwester 35.000 Euro. Im Rieder Verfahren geht es ausschließlich um Verdachtsfälle, die sich noch zu Lebzeiten des Deutsch-Kanadiers zugetragen haben sollen. Viebigs Testament spielt dabei keine Rolle.

Der im November 2011 verstorbene Millionär (im Bild mit Aufhauser) wollte seinen gesamten Besitz dem Tierschutz hinterlassen. Das Vermögen in Höhe von rund sieben Millionen Euro wurde testamentarisch dem Gut Aiderbichl vermacht. Ein Bruder Viebigs hatte aber massive Zweifel, dass die Verfügung rechtmäßig zustande kam. Er erstattete Anzeige, der Fall ist noch nicht abgeschossen. S. und K. sollen in der Causa auch Ehrengruber und Aufhauser belasten.

Dieter Ehrengruber verspürt nun Genugtuung. Er ist am Dienstag als Zeuge geladen und verweist darauf, dass das Geschwisterpaar ursprünglich ihn und Aufhauser massiv beschuldigt hätte. "Da ist die Kehrtwende eingetreten, weil wir selber sitzen ja nicht auf der Anklagebank, sondern die Kronzeugen, die gegen uns aussagen wollten", sagt Ehrengruber.

Mit dem Prozess steht die Causa aber erst am Anfang. Denn die Ermittlungen der WKStA gegen Ehrengruber, Aufhauser und weitere Beschuldigte sind noch im Gang. Sie stehen in Verdacht, Viebigs Millionenvermögen erschlichen und widmungswidrig verwendet zu haben. Davon will Ehrengruber jedoch nichts wissen. "Das Geld ist ausschließlich in Projekte geflossen, die in Viebigs Sinn gewesen sind", beteuert der Aiderbichl-Geschäftsführer.

Im Vorfeld des Rieder Prozesses suchte Ehrengruber nun in einer anderen, unangenehmen Sache die Öffentlichkeit: Ein Ex-Pfleger von Michael Aufhauser, der nach einem Riss der Aorta gesundheitlich schwer beeinträchtigt sein soll, schrieb ihm einen Drohbrief. Darin forderte der Mann Geld, ansonsten werde er Bilder veröffentlichen, die den erkrankten Aufhauser zeigen. Zudem soll Ehrengruber ihn angewiesen haben, sexuelle Handlungen an Aufhauser durchzuführen. Ehrengruber bestreitet die Vorwürfe. "Der Anwalt von Michael Aufhauser, Rudolf Mayer, hat gemeint, wir müssen damit in die Offensive gehen, damit dieser Geschichte die Basis entzogen wird und das Material nicht bei Medien landet, die uns nicht nahestehen", sagt Ehrengruber.

Kein Spendensiegel

Im Jänner war der Aiderbichl-Stiftung nach einem Medienbericht in Verbindung mit den Ermittlungen ein Spendengütesiegel entzogen worden. Ehrengruber begründet das damit, dass die Bestimmungen der Vergabestelle nachträglich abgeändert worden seien. Vor einigen Wochen habe er dann selbst den Antrag auf das Spendensiegel zurückgezogen. Die Prüfung sei "nicht objektiv" gewesen. "Wir arbeiten daran, dass die Spenden an uns steuerlich absetzbar gemacht werden. Das wird dann für uns und für unsere Spender das bessere Gütesiegel."Auswirkungen durch die krankheitsbedingte Abwesenheit Aufhausers (er ist nach dem Aorta-Riss und einem Schlaganfall offenbar vernehmungs- und verhandlungsunfähig) und die laufenden Ermittlungen seien keine spürbar – weder bei der Summe der Spenden, noch bei den Besucherzahlen, sagt Ehrengruber. "Die gute Nachricht ist, dass unsere Unterstützer wegen der Tiere bei Aiderbichl sind und wir keine Einbußen zu verzeichnen haben."