Dürre: Beim Grundwasserspiegel steht die Ampel schon auf Gelb
In Thumbling und Weixelberg rückt die Feuerwehr derzeit auffallend oft aus. Nicht, weil es in den beiden kleinen Ortschaften im Bezirk Zwettl mehr Brände zu löschen oder Fahrzeuge zu bergen gibt. Sondern, weil die Freiwilligen seit einigen Wochen gebraucht werden, um die Menschen mit Wasser zu versorgen.
Denn in Teilen der Gemeinde Martinsberg gingen die Reserven zuletzt zur Neige – auch, weil vielerorts weiterhin Gärten gegossen wurden. Zwischenzeitlich musste am Friedhof das Wasser abgestellt werden, wie Bürgermeister Friedrich Fürst erzählt. „Es ist angespannt, aber wir haben genug“, beschreibt er die aktuelle Situation.
850 Wasserversorgungseinsätze
Mit den Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung ist die Gemeinde nicht allein, wie Zahlen des niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbands zeigen. Während im Juli 2025 noch knapp 200 Wasserversorgungseinsätze verzeichnet wurden, lag die Zahl im Juli 2026 bereits bei rund 850. Am häufigsten mussten heuer Gemeinden im Bezirk Amstetten von der Feuerwehr mit Wasser versorgt werden – mit deutlichem Abstand vor den Bezirken St. Pölten und Zwettl.
Ampel steht auf Gelb
Der Hintergrund des Problems ist bekannt: Rund 85 Prozent der Messstellen in Niederösterreich verzeichnen derzeit einen niedrigen oder sehr niedrigen Wasserstand. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Mit Blick auf die unterdurchschnittlichen Niederschlagsprognosen rechnet die Abteilung für Wasserwirtschaft des Landes NÖ damit, dass die Werte weiter sinken.
Würde man die aktuelle Situation in ein Ampelsystem übersetzen, stünde diese derzeit im Durchschnitt auf Gelb: „Die überwiegende Anzahl der Gemeinden hat ausreichend Trinkwasser zur Verfügung, andererseits gibt es auch Gemeinden, die zum Wassersparen aufgerufen haben.“ Historisch niedrige Grundwasserstände seien bisher nur „in wenigen Einzelfällen erreicht“ worden.
Obwohl die Spiegel weiter sinken dürften, werde die Trinkwasserversorgung gesichert bleiben, heißt es aus der Abteilung. Die meisten Brunnen seien tief genug, viele Gemeinden zudem über Nachbargemeinden und Wasserversorger wie EVN Wasser oder größere Verbände abgesichert. Das Land NÖ setze allgemein auf ein „zweites Standbein“. Je nach geologischen Gegebenheiten könne das der Ausbau von Brunnen, die Erschließung von Quellen, eine gemeindeübergreifende Vernetzung oder der Anschluss an überregionale Transportleitungen sein.
... ist Wasser, das sich in der sogenannten wassergesättigten Zone unter der Erde befindet. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um eine Art unterirdischen See, der nach unten hin von wasserstauenden Schichten begrenzt wird.
... stammt überwiegend aus Niederschlägen, die versickern.
... kann unter der Erde auch auf mehreren Etagen vorkommen. Fachleute sprechen von Grundwasserstockwerken. Sie sind durch stauende Schichten aus Lehm oder Gestein voneinander getrennt.
... in tieferen Lagen ist häufig Tausende Jahre alt und erneuert sich nur über extrem lange Zeiträume hinweg. Dieses tiefe Grundwasser gilt als eiserne Reserve.
Zwei trockene Jahre
Warum die Lage so angespannt ist, weiß Ökologe Christian Griebler. Eigentlich ist Österreich ein sehr wasserreiches Land. Derzeit reihen sich jedoch zwei trockene Jahre aneinander. „Das ist die Katastrophe“, sagt der Klimaforscher. Bereits seit Februar 2025 habe es keine wirklich ausgiebigen Niederschläge mehr gegeben. Im Osten des Landes, und damit auch in Niederösterreich, greifen mehrere Dynamiken ineinander, erklärt Griebler.
Grundwasser werde hauptsächlich in den Gebirgsregionen im Westen Österreichs gebildet. Fällt Schnee oder Regen, gelangen bis zu 80 Prozent der Niederschläge über Spalten und Klüfte im Gestein unter die Oberfläche und dank unterirdischer Flüsse bis in den Osten. Da diese Speicher seit eineinhalb Jahren kaum gefüllt würden, komme es nun zu Tiefständen.
Parallel dazu fällt im Osten allgemein deutlich weniger Niederschlag, der zusätzlich seltener bis ins Grundwasser gelangt. „Wir haben große Flächen und es verdunstet sehr viel Wasser, wenn es regnet“, sagt der Ökologe. Die steigenden Temperaturen beschleunigen diesen Prozess. Auch der Mensch trägt laut Griebler dazu bei, dass weniger Feuchtigkeit in der Landschaft bleibt. So würden etwa Flächen entwässert, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu halten. Hier werde teils wieder gegengesteuert.
Sehr spät dran
Zudem können offene, durch landwirtschaftliche Nutzung verdichtete Ackerflächen Wasser schlechter halten – insbesondere dann, wenn feines Material die Böden bedeckt. Auch die Begradigung von Flüssen sorgt dafür, dass Wasser schneller abfließt, anstatt zu versickern.
Um die Grundwasserspeicher wieder zu füllen, würde es laut Griebler mehrere nasse Jahre brauchen. Und was bleibt bis dahin zu tun? Die Einschätzung des Ökologen ist ernüchternd: „Schnell machen, kann man relativ wenig.“ Langfristige Pläne seien notwendig, um das Grundwasser dauerhaft zu stabilisieren. „Eigentlich hätte man vor 20 oder 30 Jahren damit anfangen müssen, weil die Informationen an die Politik seit dieser Zeit vorliegen.“
In der Landwirtschaft werde ein Umdenken notwendig sein. Es brauche Pflanzenarten, die langfristig mit wenig Niederschlag und trockenen Böden zurechtkommen. Allgemein werde man lernen müssen, bewusster mit Wasser umzugehen und es durch Rückhaltebecken oder Überschwemmungsflächen möglichst lange in der Landschaft zu halten. Das aktuelle Bewusstsein für die Problematik müsse jedenfalls bewahrt werden, um Veränderungen herbeizuführen.
Appelle an die Bevölkerung, Wasser zu sparen, hält Griebler für sinnvoll. Diese werden bereits vielerorts ausgesprochen, etwa in Wieselburg (Bezirk Scheibbs), Kirchberg an der Pielach (Bezirk St. Pölten) und auch in Martinsberg. Dort haben die mahnenden Worte bereits Wirkung gezeigt, sagt Bürgermeister Friedrich Fürst. Die Menschen sparen Wasser, die Gärten werden braun, die Lage entspannt sich langsam. Echte Entlastung kann jedoch nur Regen bringen.
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