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Graz-Wahl
09/27/2021

Zeitenwende in Graz: Die Mütter des Wahlerfolgs

Elke Kahr schafft die Premiere: Eine Einigung mit anderen Fraktionen vorausgesetzt, wird die KPÖ-Obfrau die erste Stadtchefin.

von Elisabeth Holzer

Dieser Wahltag wirbelte in Graz so einiges um.

Erstmals wurde die KPÖ stimmenstärkste Partei. Und erstmals überhaupt wird eine Frau Bürgermeisterin: Elke Kahr könnte, eine Einigung mit anderen Fraktionen auf eine Zusammenarbeit vorausgesetzt, die erste Stadtchefin in Graz werden. Seit der Kür des ersten Bürgermeisters 1446 gab es insgesamt 135 Stadtchefs - alles Männer.

Da eine Koalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ nun möglich ist, könnte Graz vollends in weiblicher Hand sein, denn: an der Spitze der Wahlliste der Grünen stand ebenfalls eine Frau, Judith Schwentner. Kommt rot-grün-rot mit Hilfe der SPÖ, wäre eine Option durchaus denkbar: Kahr wird Bürgermeisterin, Schwentner Vize.

Doch das ist nicht die einzige Änderung. Nach 18 Jahren als Bürgermeister und 23 Jahren in der Stadtregierung trat ÖVP-Chef Siegfried Nagl als Folge der Wahlschlappe zurück.

An der Spitze der Volkspartei wird nun voraussichtlich Kurt Hohensinner treten, der bisherige Sport- und Integrationsstadtrat wurde sowohl von Nagl als auch ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer als Nachfolger genannt.

Wer sind nun die beiden Wahlsiegerinnen und der ÖVP-Erbe?

Elke Kahr, die im Oktober ihren 60. Geburtstag feiert, sitzt seit 1993 im Gemeinderat und war von 1998 bis 2005 Klubobfrau. 2005 wechselte sie in die Stadtregierung und übernahm die Stadtpartei von Ernest Kaltenegger, dem legendären Urgestein, der die Kommunisten in Graz überhaupt erst salonfähig machte. Er führte auch jenes Prinzip ein, das die KPÖ auch heute noch beherzigt: Kein Funktionär darf  mit seiner Politikergage viel Geld verdienen, das würde nur zur Abgehobenheit führen.

Deshalb zahlt Kahr zwei Drittel ihres Gehaltes als Stadträtin in den parteieigenen Sozialtopf ein, der für alle Grazer in Not offen ist.

Da die KPÖ auch im Landtag und einigen weiteren Gemeinden vertreten ist, kamen im Vorjahr 183.000 Euro zusammen. Kahr behält von ihrer Stadtratsgage rund 1.900 Euro netto für sich, das sei ohnedies mehr, als sie in ihrem ursprünglichen Beruf als Sekretärin wohl je verdient haben würde, merkte sie einmal an.

Kahr ist vom Wesen her unaufgeregt, Kritik vom politischen Konkurrenten lässt sie abprallen. "Man kann 20 Jahre zurück gehen und feststellen, wir haben unsere Positionen nicht verändert. Darauf sind wir stolz", betonte Kahr vor Kurzem. Zu diesen Positionen zählen neben dem Kernthema leistbares Wohnen unter anderem die ein Gebührenerhöhungs-Stopp und die Senkung der Parteienförderung sowie leistbare Preise in Freizeiteinrichtungen, vor allem in die die Freibäder der Holding Graz.

Judith Schwentner, 53, saß erstmals 2008 für die Grünen im Nationalrat und übernahm die Grazer Partei 2019, als die bisherige Stadträtin und Obfrau Tina Wirnsberger aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Schwentner wurde Umweltstadträtin und ging heuer im Mai in die Offensive: Sie wolle Bürgermeisterin werden, kündigte Schwentner an - da war von den verfrühten Wahlen in Graz noch gar keine Rede. Schwentner studierte Germanistik und Slawistik und hat auch journalistische Wurzeln: Sie war 1996 bis 2000 Redakteurin bei „Camera Austria“ (1996 bis 2000), danach wechselte sie zur Straßenzeitung „Megaphon“, wo sie 2004 zur Chefredakteurin avancierte.

Im Wahlkampf betonte sie dagegen die grünen Wurzeln ihrer Partei und stellte Klimaschutz in den Mittelpunkt. Das wird auch einer ihrer Punkte in den nun kommenden Regierungsverhandlungen: sie könne sich mit jeder Partei eine "Klimaschutz-Koalition" vorstellen, betonte Schwentner - ausgenommen der FPÖ, mit den Blauen sei keinerlei Pakt möglich.

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