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Betrugsverdacht
10/29/2016

Gold-Krimi: Sparern viele Millionen abgeluchst

Beide Geschäftsführer der österreichischen "Anlagefirma" Goldprofessionell sitzen nun in Haft. Bisher ist nur die Spitze des Eisberges bekannt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Das hat aber lange gedauert. Acht Monate, nachdem der Millionen-Skandal um die Salzburger Anlagefirma Goldprofessionell und ihre gleichnamige Schweizer Pleite-Mutterfirma geplatzt ist, haben Zielfahnder des Bayerischen Landeskriminalamts den zweiten Geschäftsführer, den Österreicher Mathias L., in Deutschland festgenommen.

Den zielführenden Hinweis will ein ehemaliger Geschäftspartner bei einer Zeugeneinvernahme am vergangenen Montag geliefert haben. Der 54-jährige Mathias L. soll in den nächsten Wochen nach Österreich ausgeliefert werden. Hier kann er seinem langjährigen Kompagnon Torsten K. hinter Gittern Gesellschaft leisten. Denn: Der deutsche Finanzzampano sitzt bereits in Österreich in Haft. Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe bestritten.

Merkwürdige Angaben

Anfang Oktober hatte Torsten K. dem KURIER noch weismachen wollen, dass er die Firma schon vor zwei Jahren an eine Firma in Dubai verkauft habe. Am Firmenbuch ging dieser angebliche Eigentümerwechsel spurlos vorbei. Einträge dazu gibt es keine.

Wie der KURIER berichtete, steht das umtriebige Duo im Verdacht, mehr als 2000 Sparer mit angeblich glänzenden Veranlagungen um zumindest 13 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Die mit Kundengeldern zu "Spezialpreisen" angekauften Goldbarren erwiesen sich im Nachhinein als groß angelegte Luftnummer. Laut Angaben der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die die Ermittlungen leitet, konnten Edelmetalle lediglich im Gegenwert von 100.000 Euro sichergestellt werden.

Hohe Einzelschäden

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der Wiener Anwalt Julian Korisek, der mittlerweile mehr als 500 betroffene Goldprofessionell-Anleger vertritt.

"Es gibt Geschädigte, die haben für ihre Familie und ihre Kinder 50.000, 60.000 Euro bei Goldprofessionell investiert", sagt Korisek zum KURIER. "Viele haben dafür ihre Lebensversicherungen, ihre Bausparer und andere Veranlagungsprodukte aufgelöst, weil die Typen von Goldprofessionell erzählt haben, dass Veranlagungen bei Banken und Versicherungen sowie in Währungen unsicher sind." Nachsatz: "Den Leuten wurde suggeriert, dass sie nur mit Investments in physisches Gold auf der sicheren Seite sind." Dabei hatten sie die Wahl zwischen zwei Produkten: den "relaXXbonusplan" und den "Leonardo". Bei Ersterem handelt es sich um einen Ansparplan, der bewusst wie ein klassischer Bausparvertrag (sechs Jahre Laufzeit, monatliche Zahlungen) angelegt war.

Beim "Leonardo" handelt es sich um einen sogenannten Einmalerlag. Laufzeit: drei Jahre. "Viele meiner Klienten haben die gesamte Auszahlung ihrer Lebensversicherung in den Leonardo gesteckt", erzählt Korisek. Der Anwalt erhebt auch Vorwürfe gegen die Wiener Finanzmarktaufsicht (FMA). Zwar unterliegt der Goldhandel in Österreich nicht der Aufsicht der FMA, aber sie hätte laut Korisek trotzdem handeln müssen.

Typisch Österreich

"Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat die Geschäfte der Goldprofessionell Mitte Februar 2016 gestoppt, eine Warnung veröffentlicht und ein Konkursverfahren einleiten lassen", sagt der Anwalt. "Hätte auch die FMA im Februar 2016 in Österreich eine gezielte Warnmeldung veröffentlicht, dann hätten viele Vermögensberater keine Vertragsabschlüsse mehr bei Goldprofessionell gemacht und viele Anleger hätten ihr Geld nicht verloren."

Was die Schadenshöhe betrifft, so sind die bisher genannten 13 Millionen Euro nur die Spitze des Eisbergs. "Der Fall fängt erst jetzt zu rollen an", sagt Anwalt Korisek. "Die große Lawine ist bei der Staatsanwaltschaft sicher noch gar nicht angekommen." Das betrifft auch das Gros der von ihm vertretenen Goldprofessionell-Opfer bzw. Schadensfälle.

Über die Goldprofessionell Austria GmbH mit Sitz in Salzburg, über deren Konten die Einzahlungen der Sparer liefen, ist laut Ediktsdatei des Justizministeriums bisher noch kein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Indes wartet die Insolvenzverwalterin der Schweizer Goldprofessionell AG angeblich nach wie vor darauf, dass die Strafverfolgungsbehörden den Konkursakt anfordern.

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