Chronik | Österreich
24.02.2018

Tierentsorgung: Geier als kostenlose Alternative

Kadaver werden unter großem Aufwand entsorgt, den Tieren geht Futter verloren.

Wo Nutztiere gehalten werden, sterben auch welche ungewollt. Meist durch Unfälle oder Krankheit. Deren Körper zu entsorgen, bringt Landwirten – besonders im Gebirge – einigen Arbeitsaufwand und der Gesellschaft hohe Kosten. Aus Sicht von Forschern wäre das vielfach nicht nötig, weil die Natur das – zumindest in einem Teil Österreichs – gratis erledigen könnte. Im Nationalpark Hohe Tauern etwa lassen Geier, Raben oder Füchse verendete Tiere meist innerhalb kurzer Zeit verschwinden.

Stellt sich die Frage: Warum sollte man das nicht außerhalb des Nationalparks so machen? Dem steht die Hygiene-Gesetzgebung entgegen, die im Normalfall die Entsorgung eines Tierkörpers zu einer Prozedur macht. Auf den Tod einer Kuh oder eines Schafes folgen Meldung, Untersuchung des Kadavers, Abtransport und schließlich Verbrennung oder Verwertung. Rund 450.000 Tonnen tierisches Material fällt laut Gesundheitsministerium jährlich an. 500 Euro kostet das pro Tonne, in Summe 225 Millionen Euro. Das zahlen die Bundesländer, zum Teil aber auch Gemeinden und Bauern.

Experten für natürliche Entfernung

"Wenn eine Lawine eine Gämse tötet, bleibt die liegen und wird zum Futter für andere Tiere", sagt Richard Zink vom Institut für Wildtierkunde an der Veterinärmedizinischen Uni Wien. Er hat an Geiern geforscht und erklärt, dass die Magensäure der Vögel so scharf ist, dass alle Krankheitserreger, die im Tierkörper steckten, garantiert vernichtet werden.

"Würden Kadaver liegen bleiben, könnten auch die Geierbestände wieder wachsen, weil ihre Zahl ja vom Nahrungsangebot abhängt", erklärt Nikolaus Eisank, der im Nationalpark Hohe Tauern Naturschutzprojekte betreut. Umso schneller wären Kadaver verschwunden. Gleichzeitig fänden verschiedenste Insekten wieder mehr Nahrung.

"Natürlich geht das nicht überall und man könnte tote Tiere nicht direkt neben Wanderwegen liegen lassen", meint Eisank. Aber im ganzen alpinen Raum wäre die natürliche Kadaverentsorgung – abseits von verbautem Gebiet – aus seiner Sicht eine sinnvolle Angelegenheit.

Aufwand

Die Tiermaterialien-Verordnung erlaubt sogar jetzt schon Ausnahmen. Aber nur, wenn die Entsorgung eines Kadavers unzumutbaren Aufwand bedeuten würde. "Das entscheidet der Amtstierarzt", erklärt Harald Fötschl, stellvertretender Leiter der steirischen Landesveterinärdirektion. Trotzdem werden jedes Jahr zahlreiche tote Kühe mit Hubschraubern von den Almen geflogen. Etwa, wenn ein Quellschutzgebiet gefährdet ist oder eine ansteckende Krankheit vorliegt.

"Der Abtransport kann sogar riskanter sein, weil etwas zu Boden tropfen und ein Erreger so verbreitet werden kann. Verbleibt der Körper am Ort, so kann das nicht passieren", erklärt Zink.