Garage als Flugzeugwerft: Franz Piller hat sich einen Traum erfüllt
Frei wie ein Vogel sein – diesen Traum erfüllen sich so manche Amateurpiloten mit ihrem eigenen Flugzeug. Noch freier bzw. günstiger wird es, wenn man den Flieger selbst baut. „Dann spart man sich die hohen Wartungskosten, man muss in keine Werft, sondern kann es selbst machen“, erklärt Franz Piller, Obmann des Igo Etrich Club Austria. Dieser ist eine Anlaufstelle für Personen, die am Eigenbau eines Flugzeugs interessiert sind.
Franz Piller, Obmann des Igo-Etrich-Clubs Austria und Flugzeugbauer.
Denn grundsätzlich kann jeder ein Flugzeug bauen – die Voraussetzung, dass man es dann auch fliegen darf, ist die Aufsicht der Behörde, der Austro Control. Sie vergibt schließlich die Zulassung zum Luftverkehr, und die bekommt man bei sogenannten „Experimentalflugzeugen“ nur dann, wenn man mindestens einundfünfzig Prozent davon selbst gebaut hat. Bei Piller sind es einhundert Prozent, „ich wollte alles selbst bauen und keine vorgefertigten Flugzeugteile verwenden. Das hat 3.500 Arbeitsstunden bedeutet“, sagt Piller, der nun eine selbstgefertigte RV-8 sein Eigen nennt. Die Teile bestellte er aus den USA.
Die Teile für sein Flugzeug hat Franz Piller aus den USA bezogen.
180 Eigenbauflieger
Bis zur Fertigstellung dauerte es neun Jahre. „Ich habe in einem Schuppen gebaut. Für mich war das ein guter Ausgleich zu meinem Beruf in der IT-Branche, wo man nur vor Bildschirmen sitzt und am Telefon ist“, betont der 67-Jährige.
Die Flugbegeisterung startete bei dem Weinviertler schon als Junge, als ein Kriegspilot am Küchentisch der Eltern von seinen Erfahrungen erzählte. Nach seinem ersten Mal in einem Flieger - mit einem jungen Piloten in einer Cessna 150 – war er enttäuscht. „Ich hatte Angst, ich war schweißgebadet, alles schepperte und wackelte“, lacht er heute. Einige Jahre später ist er zum Segelfliegen gekommen und hat selbst den Schein gemacht. „Das ist wunderschön, aber das ist ein Mannschaftssport. Da bist du immer auf andere angewiesen, auf Starthelfer, Schlepper oder Windenfahrer“, erklärt Piller. So machte er dann doch noch den Privatpilotenschein. Und irgendwann träumte er vom eigenen Flugzeug – und kam schließlich zum Igo Etrich Club Austria, wo er sich mit anderen Selbstbauern, Technikern und Interessierten vernetzen konnte.
Das Cockpit von Pillers Flugzeug.
Pioniere: bei Airbus und Eurofighter dabei
Der Klub hat etwa 250 Mitglieder. Rund 180 davon bauen gerade einen Flieger – es sind Männer aus allen Berufsgruppen. „Es gibt Frauen bei uns im Klub, die bei Projekten mitgearbeitet haben, aber keine, die bisher selbst eines gebaut haben“, so der Vorstand.
Pioniere der österreichischen Luftfahrt sind Klubmitglieder bzw. waren es (der Verein besteht seit 1987). So wie etwa Rüdiger Kunz, er hat an den Konstruktionen von Airbus und Eurofighter maßgeblich mitgearbeitet und den Flieger von Felix Baumgartner konstruiert, mit dem dieser den Ärmelkanal überflogen ist. Außerdem hat er die Berechnungen der von Wilhelm Lischak gebauten Maschine LW02 gemacht. Damit ist Lischak bis heute ungebrochene Rekorde geflogen. Das Flugzeug steht nun im Luftfahrtmuseum „Aviaticum“ in Wiener Neustadt.
Keine Angst vor dem Erstflug
Zum Austausch treffen sich die am Eigenbau Interessierten alljährlich beim „Internationalen Igo Etrich Treffen“. Heuer findet es von Freitag bis Sonntag (14. bis 16. August) am Flugplatz Krems–Langenlois statt. Etwa 150 Personen und bis zu 80 Experimentalflugzeuge werden erwartet. Dort kann man die Fragen stellen, die einen interessieren. Laien fragen etwa gerne: „Wie ist das, wenn man das eigene Flugzeug das erste Mal fliegt? Hat man da keine Angst?“ Darauf sagt Franz Piller: „Nein, man fliegt ja im Gedanken schon Tausende Male vorher damit. Man geht jeden Schritt durch, überprüft, dass man nichts vergessen hat. Außerdem wird der Bau von Igo-Etrich-Klub-Prüfern oder von Austro-Control-Prüfern begleitet“, betont er.
Mit seinem Flugzeug habe er nun maximale Freiheit und Flexibilität. „Ich muss mich nicht mehr bei einem Flugclub anmelden und einen Flieger reservieren. Ich überlege mir ein Reiseziel, lege eine Route fest und melde das bei der Austro Control an. Nach dem Okay der Fluglotsen kann es losgehen“, sagt der 67-Jährige, der gerne mit seiner Frau auf einen Kaffee nach Zell am See fliegt - theoretisch kann es aber auch einer in Triest, der „Kaffeehauptstadt Europas“, sein.
Nähere Infos: www.amateurflugzeugbau.at
- Igo Etrich war ein Pionier der Luftfahrt (*1879 in Ober Altstadt, Österreich-Ungarn).
- Er entwickelte 1903 nach Vorbild des Flügelsamens der Java–Gurke (Zanonia macrocarpa) den ersten „Nurflügel“.
- Auf dem Gelände der Rotunde im Prater baute er 1907 sein erstes Motorflugzeug mit einem 24-PS-Motor.
- 1909 errichtete er am Flugfeld Wiener Neustadt zwei Hangars, führte weitere Versuche durch und entwickelte die Etrich-Taube.
- Später entwarf er das erste Passagierflugzeug mit geschlossener Passagierkabine.
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