Silke Friesinger, Sonja Ottenbacher, Gundi Egger und Brigitte Enzinger haben in der „Frauengemeinde“  Stuhlfelden im Pinzgau das Sagen
 

© WALTER SCHWEINöSTER/Walter Schweinöster

Kommunalpolitik
04/26/2014

"Frauen sind selbstkritischer"

2354 Gemeinden und nur 132 Bürgermeisterinnen – das soll sich ändern.

von Raffaela Lindorfer

Silke Friesinger ist Bankfilialleiterin, Gundi Egger Amtsleiterin. Brigitte Enzinger ist Obfrau des Pfarrgemeinderats. Georgia Rummer erledigt die Buchhaltung in der 1540-Einwohner-Gemeinde Stuhlfelden.

Warum lauter Frauen die wichtigsten Posten im Ort besetzen? "Weil sie die besten für diese Jobs sind", sagt Bürgermeisterin Sonja Ottenbacher. An Selbstvertrauen mangelt es den Damen in der Pinzgauer Gemeinde nicht – dabei ist laut einer Umfrage genau das der Grund, warum noch immer so wenige Frauen in hohen politischen Ämtern tätig sind. Dazu kommen Faktoren wie fehlende Akzeptanz und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Politik.

Durchsetzungskraft

Für Ottenbacher spielt das Geschlecht in der Politik nur eine untergeordnete Rolle: "Keiner wird gewählt, weil er ein Mann ist. Man wird gewählt, weil die Persönlichkeit zu den beruflichen Anforderungen passt und weil man ihm vertraut." Sie meistert den Spagat zwischen Durchsetzungs- und Einfühlungsvermögen schon seit zehn Jahren und ist eine von nur mehr zwei Bürgermeisterinnen im ganzen Land. "Schade", findet Frauenlandesrätin Martina Berthold. "Frauen sind selbstkritischer als so mancher männlicher Kollege. Man muss sie gezielt motivieren und ihnen Möglichkeiten zur Mitgestaltung zeigen." Die Grüne Landesrätin ist gerade dabei, einen entsprechenden Workshop auf die Beine stellen. Ein ähnliches Projekt namens "Frauen gestalten die Gemeinde" läuft derzeit in Vorarlberg in Vorbereitung auf die Gemeinderatswahlen 2015.

Aktuell hat Vorarlberg sechs Bürgermeisterinnen und liegt damit knapp über dem österreichweiten Schnitt von 5,6 Prozent – das sind 132 Bürgermeisterinnen in 2354 Gemeinden. Mit 18 Vizebürgermeisterinnen in Vorarlberg stehen die Chancen nicht schlecht, dass die ein oder andere weibliche Kandidatin einem Mann den Rang abläuft.

"Bei der Geschwindigkeit wird es noch 400 Jahre dauern bis der Anteil von Männern zu Frauen bei 60:40 liegt", ärgert sich Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer. Sie ist die einzige Frau, die an der Spitze einer Landeshauptstadt steht und weiß: "Als Frau steht man mehr in der Kritik und man braucht große Durchsetzungsfähigkeit." Trotzdem sei es lohnend, sich für den Gemeinderat oder für das Bürgermeisteramt zu bewerben. "Man ist kein Bittsteller, sondern ein Entscheidungsträger und kann ein Lebensumfeld gestalten, dass immer noch primär Frauen betrifft."

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