Chronik | Österreich
04.08.2018

Fokus auf den perfekten Kugelblitz

Meteorologisches Rätsel. Oft wurde der Kugelblitz beobachtet, aber selten ist es gelungen ihn zu fotografieren

Ist es ein Geist, ist es ein Ufo? Nein, es ist ein Kugelblitz. Die rätselhafte leuchtende Kugel tauchte bereits in der Antike in Berichten auf. Dementsprechend hatte das Wetterphänomen stets etwas mystisches an sich und war lange Zeit wissenschaftlich umstritten. Heute herrscht in der wissenschaftlichen Welt jedoch Einigkeit, dass es den Kugelblitz tatsächlich gibt.

Rainer Kaltenberger, der bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für seltene Phänomene zuständig ist, beschreibt das ballähnliche Gebilde als „kugelförmiges Plasma, dass durch hohe Energie, also einen Blitzeinschlag, hohe Feuchtigkeit und zum Teil auch organische Stoffe, wie Nadeln eines Baumes entsteht“. Es gibt allerdings wesentlich mehr Erklärungsversuche zur Entstehung, etwa Verbrennung oder kosmische Strahlung.

 

Tatsache ist, dass das Leuchtphänomen bereits mehrfach von verlässlichen Quellen beobachtet und einige Male sogar fotografiert wurde. Kaltenberger sieht hier aktuell eine Chance: „Durch Handykameras ist es jedem möglich dieses seltene Naturschauspiel festzuhalten. Sollte das gelingen, freuen wir uns sehr, wenn wir informiert werden. Die Wissenschaft ist aufgrund des sporadischen Auftretens auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen.“

Bewegliche Bällchen

Das Spektakel festzuhalten, ist aber nicht ganz einfach, da es im Umfeld von Gewittern und oft nach Blitzen auftritt, an sich aber geräuschlos verläuft oder lediglich von einem anfänglichen Zischen begleitet wird. Hinzu kommt, dass der Durchmesser meist weniger als einen Meter ist und die Lebensdauer lediglich ein paar Sekunden beträgt. Dennoch gab es allein in Österreich mehr als 250 dokumentierte Fallberichte. Oft zum Schrecken der Beobachter, denn teilweise sollen die runden Gebilde wegrollen, sich entlang von Bahnen in der Atmosphäre – also schwebend – bewegen oder sogar Fenster durchdringen. Laut Kaltenberger sei die Gefahr der gelb-rötlichen Glühbällchen allerdings gering, so lange der direkte Kontakt vermieden wird. Oft verschwinden sie genauso geräuschlos wie sie gekommen sind, manchmal auch mit einem Knall.

Österreich ist in der Erforschung von Kugelblitzen sehr aktiv. Eine österreichische Forschergruppe fand erst dieses Jahr heraus, dass nach amperestarken positiven Blitzeinschlägen häufiger Kugelblitze beobachtet werden. Die heimische Forschung ist weiterhin an Sichtungen interessiert. Fallmeldungen können an rainer.kaltenberger@zamg.ac.at geschickt werden.