Chronik | Österreich
16.06.2018

Flitterwochen unter dem Regenbogen

Das allererste gleichgeschlechtliche Paar, das in Australien geheiratet hat, urlaubt in Wien - auf Einladung des WienTourismus

Regenbogenfahnen, Federboas, schrille Kostüme. So laut, bunt und fröhlich wie gestern, Samstag, geht es am Ring nur einmal im Jahre zu: Wenn die Regenbogenparade um die Prunkstraße zieht. Heuer waren es erstmals mehr als 200.000 Besucher.

Im Zug der Demonstrierenden waren zwei besondere Gäste: Amy Laker (29) und Lauren Price (31), das allererste gleichgeschlechtliche Paar, das in Australien verheiratet wurde. Sie verbringen gerade ihre Flitterwochen in Wien, lernten bei „Waltz Vienna“ Walzer tanzen, besuchten den Ampelpärchenshop, von dem sie begeistert waren, und wurden von Drag Queen Tiefe Kümmernis durch das Kunsthistorische Museum geführt.

Den Weg geebnet zur Ehe für alle in Australien hat vergangenen Herbst eine Volksabstimmung. Sie ging mit 61,6 Prozent positiv aus. Den Tag, an dem das Ergebnis verkündet wurde, wird Amy Laker nie vergessen: „Es gab Liveschaltungen im ganzen Land. Jedes Mal, wenn eine Stadt ihr Ja verkündet hat, haben die Menschen auf der Straße losgejubelt, gelacht. Einige sind sofort vor ihren Partnern auf die Knie gegangen. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt sie Freitagvormittag zu WienTourismus-Chef Norbert Kettner im Hotel Imperial.

Einen Tag nachdem das Ergebnis der australischen Volksabstimmung im November 2017 bekannt wurde, verschickte der WienTourismus eine Einladung: Das erste Ehepaar werde auf die Flitterwochen nach Wien eingeladen. Norbert Kettner wollte ein Signal senden. Auch, weil sich Österreich in einer ähnlichen Situation befand. Einen Monat später sollte eine Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofs die Ehe für alle ab 2019 möglich machen.

Marketing-Chefin Amy Laker und Feueralarm-Technikerin Lauren Price gaben sich an einem sommerlich-sonnigen 16. Dezember in Sydney das Jawort. Beide in weißem Kleid, vor 65 Gästen, mit Hund Malibu als Ringträger.

Pionierinnen

Ihrer Pionierrolle waren sie sich lange nicht bewusst. Sie durften nämlich drei Wochen vor dem regulären ersten Termin heiraten – dank Ausnahmegenehmigung, weil Laurens Eltern schon aus Wales angereist waren. Der offizielle erste Heiratstermin (mit 30- tägiger Bearbeitungsfrist) war der 9. Jänner. Viele hätten um Punkt Mitternacht die Trauung organisiert, erzählt Amy, um keine Minute mehr verstreichen zu lassen.

Amy und Lauren hoffen, mit ihrem Beispiel den Jungen zu zeigen, stark zu bleiben und sich anzuvertrauen, wenn sie keine Akzeptanz finden. Denn, ja, mit den ersten Zeitungsartikeln kamen leider auch Hassnachrichten, erzählen sie. Aber für jede Beleidigung erhielten sie Hunderte positive Rückmeldungen. Kennengelernt haben sich die Australierin Amy und die gebürtige Waliserin Lauren vor dreieinhalb Jahren in einem Irish Pub in Sydney. Lauren Price war auf Weltreise. Sie hatte am weit entferntesten Ort begonnen und wollte sich „zurückzuarbeiten“. Aber wie so oft kommt es im Leben anders, als man denkt.