Ein Fischotter frisst täglich rund einen Kilo Fisch

© dpa/Bernd Settnik

Kärnten
10/13/2016

Fischer drohen mit Schadenersatzklagen

Gefräßige Fischotter verursachen in Kärntens Gewässern jährlich rund drei Millionen Euro Schaden.

von Thomas Martinz

Sie haben den Fischbestand in Kärntens Gewässern um bis zu 95 Prozent dezimiert und richten einen jährlichen Schaden von drei Millionen Euro an: Die Rede ist von gefräßigen Fischottern, deren Zahl auf 600 bis 1000 Individuen geschätzt wird. Weil das Land nicht zur Jagd bläst, drohen die Fischer nun mit Schadenersatzklagen.

Die Landesregierung hat im Oktober ein Projekt gestartet, das bis 2019 läuft und von der EU mit 300.000 Euro gefördert wird: Jährlich werden zwischen drei und fünf Otter lebend gefangen und nach Holland transportiert, wo das Tier die Artenvielfalt bereichern soll. Man hofft, dass sich der Fischbestand dadurch erholt.

Geht es nach Mario Deutschmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbands, so birgt das Vorhaben jedoch eine immense Gefahr: "Das bedeutet, dass wir drei weitere Jahre zuwarten. Doch bereits jetzt ist die Fischpopulation derartig dezimiert, dass die Otter auch Muscheln und Krebse in rauen Mengen fressen", sagt Deutschmann. In den Flüssen Lieser, Görtschitz, Gurk, Glan, Wimitz und Metnitz sei der Fischbestand in den vergangenen Jahren um 70 bis 95 Prozent zurückgegangen. "Wenn das Land keine Bejagung duldet, müssen wir mit Schadenersatzklagen reagieren", richtet Deutschmann den Behörden aus.

Probleme bei der Zucht

Von Schäden besonders betroffen ist der Bezirk St. Veit: "Bei uns hat der Otter die Zahl der Fische in den letzten beiden Jahren um 80 Prozent verringert", berichtet der Vorsitzende des Fischereirevierausschusses, Volkhard Neuper. In Hüttenberg gelang die Wiederansiedelung der sogenannten "Görtschitztaler Urforelle", die auf der Roten Liste der bedrohten Arten aufscheint. "Die Stückzahl ist aber nun so klein, dass bei Weiterzucht der Urforelle genetische Probleme drohen", spricht sich Neuper ebenfalls für Schadenersatzklagen aus.

Die Fischer haben taugliche "Munition" für ihr juristisches Vorgehen: eine Studie des Sachverständigen Ulrich Habsburg-Lothringen, die die Schäden durch die Fischotter beziffert. "Sie liegen bei drei Millionen Euro jährlich", sagt er. Einkalkuliert seien neben den Fischen und den Kosten für den Nachbesatz auch fehlende Erträge durch den Verkauf sowie den Erlös aus Pacht oder Fischereikarten. Die Wertminderung des Kärntner Fischwassers belaufe sich bereits auf 11,5 Millionen Euro.

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