Chronik | Österreich
18.01.2018

Finanzbeamter ergaunerte 63.000 Euro: 30 Monate Haft

Kärnter Spielsüchtigem werden 20 Monate bedingt nachgesehen. Verurteilung auch wegen wiederholten Stalkings.

Ein 49 Jahre alter Kärntner hat als Finanzbeamter in Villach jahrelang Geld auf sein Privatkonto beiseitegeschafft. Dafür ist er am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt zu 30 Monaten Haft verurteilt worden, 20 Monate werden ihm bedingt nachgesehen. Insgesamt ergaunerte der Mann knapp 63.000 Euro, als Motiv gab er seine Spielsucht an. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Wie er an das Geld kam

Er sei spielsüchtig und leide an einer bipolaren Störung, erklärte der 49-Jährige vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Marie-Luise Rohr. Er habe deshalb mehrere Therapien gemacht, teilweise auch stationär. Vor einigen Jahren sei er, so sein Verteidiger, aber rückfällig geworden, ab da sei es mit ihm bergab gegangen. An das Geld kam er mit einem Trick. Er benutzte bereits abgeschlossene Akten für Arbeitnehmerveranlagungen, eröffnete das Verfahren neu und trug hohe Steuerabsetzbeträge - etwa für den Nachkauf von Versicherungszeiten - in den Akt ein. Dann änderte er die Zustelladresse für den Bescheid und fügte seine eigene Kontonummer ein. Nach erfolgter Überweisung stornierte er das Verfahren wieder und machte die Datenveränderungen rückgängig.

Bei der Bank wurde man stutzig

Jahrelang ging das gut, bis seiner Bank die Überweisungen auffielen und sie von dem Finanzbeamten eine Erklärung für die Geldflüsse forderte. Daraufhin erstattete der Mann Selbstanzeige und gestand alles. Das Finanzamt suspendierte ihn und verlangte zudem von ihm auch noch 11.000 Euro Steuernachzahlung für das ergaunerte Geld.

Auch Ex-Freundin bedroht

Zum Prozess wurde der Angeklagte aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Er war vor einer Woche festgenommen worden, und zwar wegen Stalkings. Laut Staatsanwalt Christian Pirker hatte er seiner Ex-Freundin Unmengen an Kurznachrichten und Briefen geschrieben und sie dabei bedroht. Genau wegen dieser Vorgangsweise war er bereits im November 2016 zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Er sehe ein, dass er das nicht machen könne und werde die Frau nie mehr belästigen, meinte er bei seiner Einvernahme. Das habe er allerdings bei seiner ersten Verurteilung auch schon versprochen, sagte die Richterin. Diesmal sei es aber total ernst gemeint, er habe in der U-Haft sehr viel Zeit zum Nachdenken gehabt, beteuerte der 49-Jährige.

30 Monate, zehn bedingt

Der Schöffensenat verhängte schließlich 30 Monate Haft, zehn davon unbedingt, "damit Sie das Haftübel verspüren", so Richterin Rohr. Den Antrag des Staatsanwalts auf Widerruf der bedingten Vorstrafe lehnte das Gericht ab, verlängerte aber die Probezeit auf fünf Jahre. Der Angeklagte erbat drei Tage Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.