Chronik | Österreich
10.09.2018

Fernpasstunnel spaltet die Anrainergemeinden

Ohne UVP-Pflicht ist nun eine rasche Realisierung für das Projekt auf der Fernpassroute möglich

Jeder aufmerksame Hörer des Verkehrsfunks kennt die Fernpassstrecke. Meldungen über Staus auf der Verbindung zwischen dem Bezirk Reutte und dem Tiroler Inntal sind an der Tagesordnung. Im ÖAMTC-Stauranking des heurigen Sommers liegt die Fernpassstraße (B179) auf Platz zwei, der am öftesten verstopften Straßen.

Im Landtagswahlkampf hat ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter einen Tunnel unter dem Pass versprochen. Die Zustände auf der gesamten Route seien nicht mehr tragbar, erklärte er. Während der Befund unbestritten ist, ist der Tunnel als Lösung der Probleme höchst umstritten.

Nun könnte er schneller kommen, als gedacht. Denn, wie die TT berichtet, hält die Umweltabteilung des Landes eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor dem Bau des 1360 Meter langen Tunnels nicht für nötig. Genau auf diese Prüfung hatten die Grünen gehofft. Dass der Scheiteltunnel im Koalitionspakt außer Streit gestellt wurde, hat intern zu schweren Verwerfungen geführt.

Die Öko-Partei sieht die Gefahr einer neuen Transitroute dräuen. Außerdem wird befürchtet, dass durch den Ausbau der Strecke das Lkw-Fahrverbot für Laster über 7,5 Tonnen fallen könnte. Das Transitforum hat zuletzt ein Bündel an Maßnahmen vorgeschlagen, um den Verkehr zu reduzieren. Der Tunnel gehört nicht dazu.

Bei den Bürgermeistern der Gemeinden an der Strecke gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Herbert Kröll, Ortschef von Nassereith am Fuße des Fernpasses, sieht die Tunnelpläne positiv. „Am Fernpass gibt es ein Naherholungsgebiet, das entlastet wird“, sagt er. Die Strecke sei zudem ein wichtiger Zubringer für die Skigebiete im Tiroler Oberland. „Wir leben alle vom Tourismus. Da müssen wir uns solidarisch zeigen.“

An der Strecke auf dem Weg Richtung Ötztal und Pitztal liegt Tarrenz. Der dortige Bürgermeister freut sich nicht im Geringsten. „Wenn der Tunnel kommt, kommt noch mehr Verkehr auf uns zu“, sagt Rudolf Köll. Staus und auch die im Winter schwierigen Witterungsverhältnisse am Pass hätten auch eine gewisse abschreckende Wirkung, die dann wegfalle. Widerstand will Köll nicht leisten, vielmehr drängt er auf einen weiteren Tunnel unter dem Tschirgant, der dann auch seinen Ort entlasten würde.

Geht es nach Platter, soll auch dieser Tunnel kommen, der Nassereith an die Autobahn in Inntal anbinden würde. Die Kombination würde 13 Minuten Fahrzeitersparnis und weniger Staus bedeuten, argumentiert der Landeshauptmann. Er hat für 2021 den Spatenstich des Fernpasstunnels angekündigt, der 100 Millionen Euro kosten soll.