Die echte Natascha Kampusch - nach ihrer Flucht im Jahr 2006 begann ihr Leben von Neuem.

© KRISTIAN BISSUTI

Causa Kampusch
10/31/2012

FBI ortet erste Fahndungspannen

US-Ermittler: Unmittelbar nach Kampusch-Entführung wurden erste Fehler gemacht.

von Wilhelm Theuretsbacher

Mittwoch beendeten Spezialermittler der amerikanischen Bundespolizei FBI und des deutschen Bundeskriminalamtes ihren ersten Informationsaustausch mit der Kampusch-Evaluierungskommission im Innenministerium. Es ist nur ein Zwischenergebnis – aber eines scheint schon klar: Bei den ersten Fahndungsmaßnahmen  nach der Entführung der damals  10-jährigen Natascha Kampusch im Jahr 1998 wurden vom damaligen Wiener Sicherheitsbüro Fahndungsfehler gemacht.

Aus dem Innenministerium ist nur zu erfahren, dass es sich beim aktuellen Treffen um einen Zwischenschritt zum Abgleich von ersten Erkenntnissen handelt, und dass mit einem Endbericht erst mit Jahresende zu rechnen ist. Was auch kein Wunder ist. Denn der Kampusch-Akt umfasst 270.000 Seiten und muss in Kapiteln aufgeteilt und abgearbeitet werden. Im übrigen wird jeder Kommentar verweigert.

Wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war, dürfte bei der ersten Runde das damalige Wiener Sicherheitsbüro nicht gut weggekommen sein. Untersuchungsgegenstand waren die ersten Fahndungsmaßnahmen unmittelbar nach der Entführung. Eine Zeugin hatte die Entführung beobachtet und eine genaue Beschreibung des weißen Kastenwagens des Entführers Wolfgang Priklopil gegeben. Nach einem Hinweis eines Hundeführers hielten auch Beamte bei Priklopil Nachschau. Das unterirdische Versteck war so gut getarnt, dass selbst ein Polizeihund es nicht entdecken hätte können. Beim Kastenwagen wurden aber Fehler gemacht. Damals versuchten die Beamten anhand der Beschreibung über einige Autohändler das Fahrzeug zu identifizieren – was letztendlich misslang. Hier orten die internationalen Experten ein "unprofessionelles Vorgehen". Hätte man damals die Autotype schon genauer analysiert, wäre Priklopil möglicherweise früher zu enttarnen gewesen.

Das ändert noch nichts am Fall Kampusch, soll aber bei künftigen Fällen berücksichtigt werden. Zur heftig diskutierten Mehrtätertheorie gab es noch keine Antworten. Diese Frage steht erst in den nächsten Runden am Programm. Und da ist jetzt für Spannung gesorgt. Denn eine Zeugin der Entführung beharrte in mehreren Vernehmungen darauf, dass sie zwei Entführer gesehen hätte. Die ermittelnden Beamten glaubten ihr das nicht. Wenn nun das FBI die Zeugenaussage anders einschätzt, wird  eine Wiederaufnahme des Falles wahrscheinlich.

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