Chronik | Österreich
09.04.2018

Fast jeder zweite Kellner will den Arbeitsplatz wechseln

Und: Fast jeder fünfte Arbeitnehmer greift zumindest einmal im Monat zu Schmerzmitteln, um den Arbeitsalltag zu schaffen.

Kellnerinnen und Kellner sind in Österreich mit ihrem Job besonders unzufrieden. Das ist das Ergebnis des jüngsten Arbeitsklima Index, den SORA und IFES im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich erhoben haben. Während branchenübergreifend sieben Prozent der heimischen Arbeitnehmer ihren Job wechseln möchten, sind es bei den Kellnern 28 Prozent, das ist mehr als jede vierte heimische Servicekraft. Damit hat sich das Arbeitsklima in dieser Berufssparte besonders verschlechtert. Denn 2010/’11 strebten „nur“ 17 Prozent einen Jobwechsel an.

Bei den Köchinnen und Köchen haben sich die Arbeitsbedingungen hingegen offenbar in den vergangenen Jahren verbessert. 2010/’11 wollten noch 20 Prozent zumindest ihren Arbeitgeber wechseln, bei der aktuellen Befragung 2016/’17 gaben nur mehr die Hälfte der Köche diesen Wunsch an. Dennoch ist der Beruf weiterhin besonders belastend: 29 Prozent der befragten Köchinnen und Köche fühlten sich durch Zeitdruck, 23 Prozent durch Arbeitsdruck stark belastet.

Beschäftigte in der Gastronomie sind übrigens auch um 1,5 Tage häufiger im Krankenstand als der Durchschnitt und nur die Hälfte glaubt daran, diesen Beruf bis zur Pensionierung ausführen zu können.

"Die Branche ist nicht sehr gut darin, ihre Leute langfristig zu halten", meinte Daniel Schönherr vom SORA-Institut.

Weniger Lehrlinge, weniger Lehrplätze

Dass immer weniger Menschen Gastro-Berufe attraktiv finden, zeige sich auch in den Lehrlingszahlen. Gab es 1980 noch 16.232 Auszubildende, waren es 2017 nur mehr 8905. In dem Zusammenhang kritisierte Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, den Rückgang der Lehrbetriebe. 2007 bildeten 5010 Betriebe in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft Lehrlinge aus, 2017 waren es 3159.

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich widerspricht den Vorwürfen: Sowohl die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die allgemeine Zufriedenheit mit dem Job sei gestiegen. In einer aktuellen Befragung von Tourismuslehrlingen in der Landestourismusschule Bad Gleichenberg gaben rund 90 Prozent der Befragten an, mit dem Beruf in der Gastronomie „sehr zufrieden und glücklich" bzw. "zufrieden" zu sein.

Medikamente, um die Arbeit zu bewältigen

Neben dem Schwerpunkt Gastronomie, wurde auch das Thema "Medikamentenkonsum bei bzw. aufgrund der Arbeit" beim Arbeitsklima Index ins Visier genommen. IFES-Geschäftsführer Reinhard Raml erläuterte: "Im Schnitt verwenden acht Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mindestens einmal pro Woche ein legales oder illegales Aufputschmittel. Bei den Beschäftigten, die auch in der Freizeit Arbeit fertig machen, sind es sogar 14 Prozent. Generell ist der Anteil bei den Jungen höher. Bei den Unter 29-Jährigen nehmen 11 Prozent Aufputschmittel, bei den Über-40-Jährigen sind es nur 6 Prozent."

Auch interessant, findet Raml: 44 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nehmen zumindest selten ein Schmerzmittel, um den Arbeitsalltag zu schaffen. In der Baubranche greifen 13 Prozent mindest einmal pro Woche zu schmerzlindernden Tabletten, bei den Führungskraften sind es immerhin acht Prozent. 36 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer nehmen zumindest einmal im Monat während der Arbeit Kopfschmerztabletten.