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Chronik | Österreich
03/16/2019

Evangelisch-reformierte Kirche öffnet Trauung für Homosexuelle

Die Evangelisch-lutherische Kirche hingegen ermöglicht eine "Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst".

Nach den Lutheranern (Evangelische Kirche A.B.) hat nun auch Österreichs zweitgrößte evangelische Kirche, die Evangelische Kirche H.B., eine Entscheidung zur Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare getroffen. Diese geht nun einen bedeutenden Schritt weiter: Nicht eine Segnung, sondern die völlige Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare wurde beschlossen, hieß es am Samstag.

Auch homosexuellen Paaren wird damit die Trauung offenstehen, so der Beschluss der Synode in Linz. Dies sei "kein großer aber ein wichtiger Schritt für unsere Reformierte Kirche", betonte Landessuperintendent Thomas Hennefeld gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Hennefeld weiter: "Damit wurden die letzten Reste an Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen beseitigt, die in der Vergangenheit viel Leid erfahren haben." Bereits seit 1999 waren in der reformierten Kirche Segnungen homosexueller Paare in öffentlichen Gottesdiensten möglich gewesen.

Evangelisch-lutherische Kirche: "Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst"

Die Evangelische Kirche A.B. hat bereits vergangene Woche eine Entscheidung getroffen und ermöglicht gleichgeschlechtlichen Paaren in Zukunft eine "Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst". Der Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegnern des Beschlusses stieß auf Anerkennung bei Homosexuellen-Vertretern, wenngleich diese auch bedauerten, dass es keine vollständige Gleichstellung gibt.

Voraussetzung für die "Segnung" ist eine standesamtlich geschlossene Ehe. Für die Regelung stimmten rund zwei Drittel der Synoden-Mitglieder. Die neu geschaffene Möglichkeit der Verbindung zwischen Gleichgeschlechtlichen wird von der Evangelischen Kirche als "eheanalog" verstanden, wie es hieß. Gleichzeitig hält die Kirche aber am Begriff der "Ehe" als "der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau" fest.

Gemeindem können Segnung ablehnen

Der größte Unterschied zwischen der nun für gleichgeschlechtliche Paare möglichen Segnung und der Ehe zwischen Mann und Frau in der Evangelischen Kirche ist, dass die jeweiligen Gemeinden eine derartige Segnung in ihren Kirchen ablehnen können. Ebenfalls vorgesehen ist, dass jeder Pfarrer oder jede Pfarrerin sich dagegen entscheiden kann, eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vorzunehmen.

Die Evangelische Kirche A.B. ist mit rund 300.000 Mitgliedern die größte in Österreich. Die Evangelisch-reformierte Kirche mit 13.000 Mitgliedern in neun Pfarrgemeinden in Österreich, ist damit bedeutend kleiner. Dritte im Bunde sind die Methodisten mit circa 1.500 Mitgliedern.