Chronik | Österreich
24.04.2017

EU senkt HCB-Grenzwerte, Kärnten Vorbild

Neue EU-Verordnung entspricht Limits des Landes Kärnten und tritt mit 10. Mai 2017 in Kraft.

Europaweite Konsequenzen hat nun der Umweltskandal um Hexachlorbenzol (HCB) in Kärnten: Am 10. Mai 2017 werden per EU-Verordnung die HCB-Grenzwerte in allen Lebensmitteln drastisch gesenkt; sie müssen damit jenen Vorsorgewerten entsprechen, die das Land Kärnten für das Görtschitztal erarbeitet hat. Damit haben Produkte aus der betroffenen Region künftig auf EU-Märkten bessere Chancen.

Ausgegangen ist die Verordnung von einer Resolution, die Kärntens Umweltlandesrat Rolf Holub und die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Ulrike Lunacek (beides Grüne), im Oktober 2015 in den EU-Gesetzgebungsprozess einbrachten. Darin enthalten war die Senkung der HCB-Grenzwerte in Lebensmitteln, wie sie in Kärnten auf Empfehlung der Medizinischen Universität Wien bereits umgesetzt wurde. Weil die Menschen in Mittelkärnten teilweise stark mit dem Umweltgift belastet sind, muss zum Abbau mehr HCB ausgeschieden werden, als über die Nahrung zugeführt wird.

Die EU folgte kürzlich etwas überraschend dem Vorstoß aus Kärnten und übernahm die sogenannten "Vorsorgewerte", die die Landesregierung festgesetzt hatte.

"Dass seine eigene Arbeit europaweit Wellen schlägt, kommt im Leben eines Umweltmediziners sicher nur einmal vor. Üblicherweise werden Grenzwerte eher nach oben korrigiert", sagt Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien, der die Neu-Limitierung fürs Görtschitztal erstellt hatte.

Um das 40-fache

Die künftigen EU-Vorschreibungen seien von Produkt zu Produkt verschieden, weil der Stoffwechsel des menschlichen Körpers das HCB unterschiedlich verarbeite. "Wichtig ist, dass sie für Fleisch und Milch um das bis zu 40-fache gesenkt wurden, da man HCB über diese Produkte am ehesten aufnimmt", betont Hutter. Fleisch darf jetzt im europäischen Raum nur noch 0,0005 statt früher 0,01 Milligramm HCB pro Kilogramm enthalten.

Lunacek unterstreicht, dass die kommende EU-Verordnung beweise, dass es richtig gewesen sei, die HCB-Causa nicht nur als regionales Thema abzuhandeln. Holub erwartet sich einen großen Vorteil für die krisengebeutelte Region: "Damit ist das Görtschitztal eine europäische Vorbildregion und Görtschitztaler Produkte haben in Zukunft die besten Chancen, auf den europäischen Märkten erfolgreich zu sein."

Vorsichtig positiv

Diese Nachricht wird auch im Tal (vorsichtig) positiv aufgenommen: "Wenn man uns als Vorbildregion bezeichnet, kann das zumindest nicht schaden", sagt August Ratheiser, Landwirt aus Wieting.

Bio-Bäuerin Isa Priebernig aus Hochfeistritz bezeichnet es als "gute Nachricht, dass EU-weit gilt, was uns vom Land längst vorgeschrieben wurde." Damit sei die Region zumindest in Bezug auf die Grenzwerte nicht mehr benachteiligt.

"Mit der neuen Verordnung gelten in Zukunft links und rechts die gleichen Spielregeln", betont auch Andreas Duller, Leiter des Görtschitztal-Regionalmanagements, der auch den Zukunfts-Masterplan koordiniert. Er hofft, dass die Bürger "dadurch Rückenwind verspüren und Mut fassen, um neue landwirtschaftliche Projekte zu realisieren."