Chronik | Österreich
29.08.2018

Einsatz unter Hochspannung

Retter haben Respekt vor Fahrzeugen mit Hunderten Volt und forcieren die Schulung

Schwere Unfälle mit PS-starken Elektroautos sorgten zuletzt für Aufsehen. Ein führerscheinloser 17-Jähriger in Linz und ein schwer betrunkener 59-jähriger Salzburger im Bezirk Braunau fuhren E-Boliden mit weit mehr als 600 PS zu Schrott. Die in diesen Fahrzeugen installierte Hochvoltanlagen erforderten von den Einsatzkräften Fachwissen und professionellen Eigenschutz.

Weil von Jahr zu Jahr die Zahl der E-Autos zunimmt (siehe Grafik), sind sie auch öfter in Unfälle verwickelt. Wie gehen die Feuerwehren mit den Autos um? „Mit Respekt ja, aber keiner Hysterie“, heißt es dazu bei den Einsatz- und Autofahrerorganisationen. „Üben, üben und nochmals üben. Bei einigen hundert Volt ist im Einsatz natürlich höchste Vorsicht angesagt“, erklärt der Vizepräsident des Bundesfeuerwehrverbandes, Armin Blutsch.

Selbst oft bei Einsätzen dabei, sind für Blutsch das grüne Kennzeichen der Elektroautos und das rasche Erkennen der Fahrzeugtype, die wichtige Voraussetzungen für die Arbeit. Denn damit kann man rasch die Notfallinformationen abrufen. Feuerwehrleute, die bei einer Rettungsaktion mit einem verunfallten E-Auto zu Schaden gekommen seien, sind Blutsch noch nicht unter gekommen. Die E-Mobilität sei aber ein brisantes Thema im Feuerwehrwesen, sagt er.

Vorsichtsregeln

„Wenn man ein paar klare Regeln einhält, kann Helfern nichts passieren. So gefährlich sind E-Autos nicht. Man muss aufpassen, dass man Ersthelfer nicht verschreckt“, sagt Erich Kroiss. Der technische Koordinator des ARBÖ ist aktuell damit beschäftigt österreichweit 400 Pannenfahrer im Umgang mit den E-Mobilen zu schulen. Natürlich werden die Helfer vor allem im Pannendienst ausgebildet, doch für den Erstfall hat Kroiss klare Regeln parat. „Sehen, riechen, hören“, nennt er als Merkregel. „Sollte das bei allen Autos immer hellorange Hochvoltkabel abgerissen sein und herunterhängen, dann heißt es Abstand halten. Ebenso, wenn man etwas prasseln hört oder wenn es nach Batteriesäure riecht“, erklärt der Techniker.

Sollte eine Zelle der Lithium-Ionen-Hochvolt-Batterie des E-Autos einmal in Brand geraten, sei sie nicht mehr zu löschen. Ein imposantes Facebook-Video der Feuerwehr Landeck vom Löscheinsatz bei einem brennenden Tesla aus dem Oktober des Vorjahres belegt das. „Feuerwehren müssen dann die anderen Zellen mit Wasser kühlen, damit sie nicht auch noch überhitzt werden“, rät Kroiss.

Sichere Bauweise

Grundsätzlich würden die Autoproduzenten aber die Batteriezellen immer besser innerhalb der Fahrzeuge in Wannen verbauen, erklärt ÖAMTC-Technik-Instruktor Christian Klejna. Auch er hält E-Autos für nicht gefährlicher als herkömmliche Fahrzeuge. Die Hochvolt-Akkus werden weg von den Knautschzonen des Pkw in die geschütztere Wagenmitte verlegt, erklärt Klenja. Grundsätzlich würden sich Stromautos bei einem Crash automatisch stromfrei schalten, berichten die Techniker. Helfer werden sich vorsichtshalber trotzdem an die Rettungshandbücher der Hersteller halten, Isolierhandschuhe tragen und den Stromfreistecker ziehen. Klenja, der in Niederösterreich auch Feuerwehrleute schult, rät E-Car-Besitzern, spezielle für ihre Autos erhältliche Rettungskarten mitzuführen, damit Einsatzkräfte rascher agieren können.