Chronik | Österreich
19.05.2017

"Eine wolfsfreie Zone wird nicht funktionieren"

Die Schweiz jagt die geschützten Raubtiere dennoch vereinzelt. Laut einem Experten ist das auch notwendig, damit sie ihre Scheu behalten.

Drei tote und vier verletzte Schafe: Das ist die bisherige Nutztier-Schadensbilanz in diesem Jahr, verursacht durch den Wolf. Ereignet hat sich der Fall Ende April in Fulpmes im Tiroler Stubaital. Die Bestätigung eines Wolfs-Risses durch die DNA-Untersuchung hat sofort wieder Vertreter der Landwirtschaft auf den Plan gerufen: "Unsere Form der Almwirtschaft ist mit dem Wolf nicht kombinierbar", hieß es von Tirols Bauernbunddirektor Peter Raggl. Er fordert "rasch und nachhaltige Lösungsansätze für den Ostalpenraum". Konkret will Raggl wie praktisch alle Vertreter der Almwirtschaft eine "wolfsfreie Zone".

250 Hunde passen auf

Zu Raggls Forderung lohnt ein Blick in die Schweiz. Dort haben Bauern und Behörden seit rund 20 Jahren Erfahrung mit den Raubtieren. Derzeit gibt es drei Wolfsrudel und mehrere Einzeltiere. 250 Herdenschutzhunde sind im Einsatz, um die Schäden für die Landwirtschaft möglichst gering zu halten. "Der Herdenschutz in der Schweiz ist bis jetzt eigentlich eine Erfolgsgeschichte", meint Daniel Mettler. Er leitet die Fachstelle Herdenschutz und war vergangene Woche im Rahmen einer großen Tagung zum Thema Wolf in Salzburg eingeladen. "Wir haben gesehen, dass es durchaus effiziente Methoden gibt", sagt Mettler über Hunde und Zäune für den Herdenschutz. Weniger effektiv waren allerdings Versuche mit Lamas und Eseln (sie wären für Tourismusgebiete interessant gewesen, da sie im Gegensatz zu Hunden nicht aggressiv auf Menschen reagieren, Anm.) – die Tiere würden nämlich selbst gefressen, sobald der Wolf im Rudel jage.

Dass die Akzeptanz gegenüber Wölfen bei den Eidgenossen offenbar höher ist als in Österreich, erklärt sich Mettler mit dem " Wolfsmanagement", das vereinzelt Abschüsse erlaubt. "Wir haben keine numerischen Bestandsziele. Die Wölfe werden solange toleriert, wie sie unter gewissen Schadensquoten liegen", sagt Mettler.

Forderungen aus Landwirtschaft und Tourismus, Wölfe in den Alpen zu bejagen, erteilt Reinhard Schnidrig vom Schweizer Bundesamt für Umwelt eine klare Absage: "Eine wolfsfreie Zone ist aus meiner Sicht keine Lösung. Sie wird in der Realität nie funktionieren", sagt er. Die Jagd auf die Räuber sei auch "sehr aufwendig".

Dass die Schweizer Kantone überhaupt Wölfe jagen dürfen, liegt daran, dass sie sich nicht an die sogenannte FFH-Richtlinie halten müssen, die den EU-Staaten strengsten Schutz der Tiere vorschreibt. In der Berner Konvention(ein europäisches Artenschutz-Übereinkommen aus dem Jahr 1979)ist hingegen der Abschuss von Wölfen dann erlaubt, wenn es "keine gelinderen Mittel" gibt, Nutztiere vor den Raubtieren zu schützen, sagt Schnidrig. Er stellt dazu fest: "Ohne Herdenschutz gibt es keine Abschüsse."

Sieben Wölfe getötet

Umgekehrt brauche es die Jagd auf die Wölfe, damit der Schutz für Nutztiere überhaupt gelingen könne. "Damit der Herdenschutz auf Dauer funktioniert, braucht es zwischendurch Abschüsse, damit der Wolf scheu bleibt. Wenn ein Jungtier aus dem Rudel abgeschossen wird, wird der Rest der Tiere sehr scheu", meint Schnidrig. Seit 1995 seien bisher 15-mal Abschussgenehmigungen erteilt worden – sieben Wölfe wurden seither getötet.

„Pubertierender“ Bär wandert erstmals zum Wörthersee

„Das ist eine Premiere. Bis zum Wörthersee hat sich noch nie ein Bär vorgewagt“, sagt Valentin Happe (ÖVP), Bürgermeister von Schiefling. Weil das Tier keine Scheu vor Wohngebieten zeigt, glaubt Kärntens Wildbiologe Bernhard Gutleb, dass es sich um einen jungen, unerfahrenen Bären handelt. „Wahrscheinlich ein Halbwüchsiger, ein pubertierender Neuzugang aus dem benachbarten Slowenien, wo es 700 Braunbären gibt“, sagt Gutleb. Jene Tiere, die zuletzt in Kärnten für Schlagzeigen gesorgt hatten, hält er für „unverdächtig“: „Timon“ sei inzwischen 23 Jahre alt und sicher nicht mehr so mobil und Jungbär „Rudolf“ habe es nie auf Bienenstöcke abgesehen gehabt.