Chronik | Österreich
13.03.2018

Eine Reise zu Störchen und in die Vergangenheit

Der Stadtführer geleitet Besucher aus dem einstigen Fischerdorf in die Welt-Kulturerbe-Stätte.

Rust, am Neusiedler See gelegen, hat sich in den vergangene Jahrhunderten aus vielerlei Gründen einen Namen gemacht. Davon können sich Interessierte bei den Stadtführungen, zu denen Gerald Szivacz ab Samstag zwei Mal wöchentlich lädt, überzeugen. Allerdings werden sich die Besucher warm anziehen müssen: Denn obwohl laut Wetterdienst Ubimet eine frühlingshafte Woche mit oftmals zweistelligen Plusgraden vor uns liegt, dürfte der Winter gegen Wochenende noch ein kräftiges Lebenszeichen von sich geben. Selbst im Flachland kann man wieder mit Nachtfrost und Schnee rechnen. Mit Schal und Haube ausgestattet können sich die Besucher in Rust auf eine Zeitreise begeben.

Stadt edler Weine

Bei einem Rundgang durch den historischen Kern mit seinen Bürgerhäusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erfahren die Gäste Wissenswertes über die Historie der 1317 erstmals urkundlichen erwähnten Stadt. Ein Thema ist auch der Weinbau, dessen Bedeutung weit über die – noch gut erhaltenen – Stadtmauern hinaus reicht. Bereits vom 14. bis zum 16. Jahrhundert hatte die nordburgenländische Stadtgemeinde eine führende Rolle im westungarischen Weinbau. Das Handelsnetz mit den Ruster Spitzenweinen spannte sich von Bayern über Böhmen und Mähren bis Polen. "Sogar die Damen aus St. Petersburg haben den berühmten Ruster Ausbruch (hochwertiger Süßwein, Anm.) getrunken", erfährt man von Hobby-Historiker Szivacz.

Im Jahr 1524 habe der Wein erstmals ein Markenschutzrechtliche Bezeichnung erhalten.

Mit 1900 Einwohnern ist Rust nicht nur der kleinste Verwaltungsbezirk, sondern auch die kleinste Statutarstadt Österreichs. 1975 wurde sie neben Salzburg und Krems zudem als "Modellstadt der Denkmalpflege" ausgezeichnet, 2001 wird die Ruster Altstadt in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe Stätten eingetragen.

Auch die Störche fliegen auf Rust: Auf den Rauchfängen im Zentrum befindet sich die größte Storchenkolonie des Landes. Bei seiner Führung wird Szivacz sein Publikum in die "Speisekammer" der Vögel führen. Auf einer vom Storchenverein angekauften Weidefläche können sich die Vögel ihr Menü – das aus Fröschen, Schlangen und Mäusen besteht – selbst beschaffen. Dieser Tage sind die ersten Störche aus ihrem Winterquartier in die Stadt am Neusiedler See zurückgekehrt.www.rust.at