Chronik | Österreich
19.01.2018

"Eine ganz Große": Reaktionen auf den Tod von Ute Bock

Der Tod der couragierten Flüchtlingshelferin sorgte für zahlreiche Reaktionen aus Politik und Zivilgesellschaft.

(*Update 12:45 - Reaktion von Bundeskanzler Sebastian Kurz*)

Kurz vor 10 Uhr gab heute der Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock bekannt: "In tiefster Betroffenheit müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass uns Frau Bock heute verlassen hat. Nach kurzer schwerer Krankheit ist sie heute um 4:40 im Kreise ihrer Schützlinge im Ute Bock Haus verstorben."

Die Todesnachricht enthält auch ein bisschen Bitterkeit: "Bis zur letzten Sekunde drehte sich ihr ganzes Denken und Handeln um das Wohlergehen geflüchteter Menschen. Der Erfüllung ihres größten Wunsches, eines Tages überflüssig zu werden, sind wir gerade in Zeiten wie diesen ferner denn je."

Der Tod der couragierten Flüchtlingshelferin sorgte darüber hinaus für zahlreiche Reaktionen aus Politik und Zivilgesellschaft.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen schrieb auf Twitter: "Mit Ute Bock verliert Österreich einen außergewöhnlichen Menschen. Sie setzte sich Zeit ihres Lebens und bedingungslos für Flüchtlinge, für Menschen in Not ein. Ute Bock hat uns gezeigt, was Menschsein bedeuten kann. In ihren Projekten wird ihr Engagement weiterbestehen."

"Eine ganz Große ist von uns gegangen", schrieben die Grünen Wien in einer Aussendung. SPÖ-Chef Christian Kern formulierte es auf Facebook ganz ähnlich : "Ute Bock war eine ganz große Österreicherin. Ihr großes Engagement und ihre Menschlichkeit sind uns allen Vorbild. Mit Ute Bock verlieren wir eine ebenso starke wie mutige Frau, für die selbstlose Hilfe für die Schwächsten in der Gesellschaft immer eine Selbstverständlichkeit war. Sie wird uns unendlich fehlen."

"Ute Bock war für mich eine beeindruckende Frau und ein mutiger Mensch. Bei all den Begegnungen mit Ute Bock war immer auch eine sehr beeindruckende Bedingungslosigkeit ihres Einsatzes spürbar", sagte Caritas Präsident Michael Landau zum Ableben der Flüchtlingshelferin. "Klarheit und Kompromisslosigkeit im Einsatz für jene, die Hilfe benötigen. Ihr unermüdlicher Einsatz für Menschen, die vor Verfolgung, Krieg und Elend flüchten, machte sie zu einer Leitfigur der österreichischen Zivilgesellschaft."

Caritas Wien-Chef Klaus Schwertner wandte sich auf Facebook direkt an die Verstorbene: ""Sie fehlen schon jetzt - Ihre Menschlichkeit, Ihre Stimme für die Verfolgten, Ihr unermüdliches Engagement - Danke für all die Hoffnung und die konkrete Hilfe, die Sie Menschen in Not gegeben haben. Ein Dach über dem Kopf, ein Deutschkurs, ein nettes oder auch mal strenges Wort. 'Kein Mensch soll auf der Straße stehen', das war immer Ihr Credo - dafür setzen wir uns gemeinsam mit vielen, vielen Menschen weiterhin ein. Das verspreche ich Ihnen!"

Mit tiefer Betroffenheit reagierte Michael Häupl, Bürgermeister von Wien ( SPÖ): "Mit Ute Bock verliert Wien eine überzeugte Humanistin, die ihren Kontrahenten in Zeiten von Hass und Missgunst mit Warmherzigkeit und Nächstenliebe getrotzt hat. Vieles, wofür Wien steht, war in Ute Bock verkörpert und lebt in ihrem Andenken weiter."

"'Dass ich helfe, wenn einer was braucht, ist nicht gut, sondern normal', dieses Zitat von Ute Bock beschreibt sehr schön das unverschnörkelte Selbstverständnis dieser Grande Dame der Nächstenhilfe", sagte der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder.

Der Wiener Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ): "Ihr soziales und humanitäres Engagement wirkte weit über die Stadt hinaus. Ute Bock war eine Identifikationsfigur für viele engagierte Menschen, die sich für Schutzsuchende einsetzen. Ihre Strahlkraft wird weit über ihren Tod hinaus wirken. ... Es liegt an uns allen, ihr Engagement und ihre Zivilcourage weiterzutragen."

Kurz: "Hat unser Land geprägt"

Etwas verspätetet meldete sich in der Mittagszeit auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit einer ersten Reaktion via Twitter: "Mit Ute Bock verliert Österreich eine der bekanntesten und engagiertesten Flüchtlingshelferinnen. Ihr langjähriger Einsatz und ihre Zivilcourage haben unser Land geprägt und verdienen unseren Respekt."

Die erste offizielle Reaktion vonseiten der ÖVP kam von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: "Ute Bocks menschlicher und persönlicher Einsatz sind unbestritten. Ihr Engagement und ihre Hilfsbereitschaft werden unvergessen bleiben". Bock habe sich vor allem durch ihren selbstlosen Einsatz ausgezeichnet, so die Landeshauptfrau: „Sie hat sich dort eingebracht, wo sie gebraucht wurde, und dabei nie gefragt, was sie dafür erhält, sondern was sie geben kann.“

Der Klubobmann der ÖVP Wien, Manfred Juraczka, schrieb: "Ute Bock hat praktisch ihr Leben lang ihre ganze persönliche Ressource selbstlos in den Dienst von hilfsbedürftigen Menschen gestellt und sich dabei nie geschont. Ihr Einsatz für Andere ist unbestritten und verdient Respekt und Anerkennung."

Vassilakou: "Ikone der Hilfsbereitschaft"

Eine der ersten Reaktionen kam von der Chefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou: "Der Tod von Ute Bock hinterlässt eine große, unschließbare Lücke. Sie war eine Ikone der Zivilcourage und hat sich immer mit ihrer ganzen Kraft für die Schwächsten der Gesellschaft eingesetzt." Damit sei Ute Bock "ein Vorbild für uns alle. Sie wird uns sehr fehlen." Der Klubobmann der Wiener Grünen, David Ellensohn, sagte außerdem: "Ute Bock hat sich unermüdlich für Menschenrechte eingesetzt, sie wird eine große Lücke hinterlassen. Gerade in diesen Zeiten, wo Menschenrechte wieder mit Füßen getreten werden, wird die Stimme von Ute Bock fehlen."

Der Grüne Bundesvorstand bedauert das Ableben Bocks ebenfalls zutiefst. "Sie war eine kraftvolle, beharrliche und herzliche Kämpferin und langjährige Verbündete in Sachen Menschenrechte, gerade für Menschen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind", werden Bundessprecher Werner Kogler und Bundesvorstandsmitglied Alev Korun in einer Aussendung zitiert.

NEOS-Chef Matthias Strolz: "Mit dem Tod von Ute Bock geht eine starke Frau, die beeindruckend, berührend und unerschütterlich für Menschlichkeit und bedingungslose Hilfe gestanden ist."

"Die Menschlichkeit in Österreich hatte einen Namen: Ute Bock. Es ist unendlich traurig, dass sie nicht mehr unter uns weilt." Das sagt die Menschenrechtssprecherin der Liste Pilz, Alma Zadic. "Mit ihrem unermüdlichen Einsatz für Menschen die oft keine Stimme in unserer Gesellschaft haben, zeigte sie immer Mut und ungebrochene Solidarität, ihre Stimme wird fehlen."

Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR zeigt sich ob der traurigen Nachricht über den Tod von Flüchtlingshelferin Ute Bock tief betroffen: "Mit ihrem unermüdlichen und bedingungslosen Einsatz für Flüchtlinge war Ute Bock eine Inspiration für uns alle. Wenn es um die Hilfe von Schutzsuchenden ging, gab es für sie kein 'Nein' und für alle, die hilfesuchend an ihre Türe klopften, wurde eine Lösung gefunden. Ihr Leben war ein einziger, großer Einsatz für die Menschlichkeit. Unvergessen bleibt auch ihr trockener Humor, selbst in den herausforderndsten Situationen. Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke“, erklärt Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich.

Lichtermeer zum Gedenken an Ute Bock

"Wir trauern um Ute Bock. Wir trauern um eine der Gerechten.", schreibt der Verein auf Facebook. Am 2. Februar wollen man ab 17 Uhr am Wiener Heldenplatz von der Vereinsgründerin Abschied nehmen.

"Bis zur letzten Sekunde drehte sich ihr ganzes Denken und Handeln um das Wohlergehen geflüchteter Menschen. Der Erfüllung ihres größten Wunsches, eines Tages überflüssig zu werden, sind wir gerade in Zeiten wie diesen ferner denn je", heißt es in der Veranstaltungseinladung auf Facebook.