Coronavirus - Impfung

© dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt / Hendrik Schmidt

Chronik Österreich
01/19/2021

Lieferengpass: Ein Rückschlag für den Impfplan?

Biontech/Pfizer liefert um 20 Prozent weniger Impfdosen. Erste Registrierungsplattformen sind online, das Interesse ist groß.

von Elisabeth Holzer

Gerade steigt das Interesse der lockdown-genervten Österreicher an der Covid-19-Schutzimpfung so richtig an und dann das: Biontech/Pfizer meldet Produktionsengpässe. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bedauerte am Montag, dass „es zu gewissen Lieferverzögerungen kommt“: Er sprach von rund 20 Prozent weniger Impfstoff für Österreich. Sollte nicht bald der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen werden, „würde ihm irgendwann der Geduldsfaden reißen“, so Kurz auf Puls4.

Wie wirkt sich die angekündigte Lieferverzögerung durch Biontech/Pfizer auf Österreich aus?

Das war am Montag vorerst nicht klar zu beantworten. Im Jänner bekommt Österreich rund 240.000 Dosen von Biontech/Pfizer, das wären 60.000 wöchentlich. Das von Kanzler Kurz angekündigte Minus wären somit 12.000 Dosen. Offen war, wie lange das Unternehmen seine Lieferung reduziert.

Weshalb kommt es zu dem Lieferengpass?

 

Das Unternehmen begründete mit der „Neukalibrierung“ eines Werks in Belgien. Paradox, aber so kommuniziert: Damit die höheren Liefermengen für das 2. Quartal erfüllt werden könnten, müsse die derzeitige Produktion gedrosselt werden.

Wie viele Österreicher wurden bereits geimpft?

Laut Informationsplattform des Sozialministeriums („Dashboard“) haben bis Samstagnachmittag 102.790 Personen der „Phase 1“ unter anderem Bewohner von Pflegeheimen und über 80-Jährige die erste (von zwei) Impfungen erhalten (neuere Daten lagen am Montag nicht vor). Das ist somit eine Quote von 1,15 Prozent. Aber: Das ist bloß eine Hochrechnung aufgrund der bestellten und ausgelieferten Impfdosen, eine „Live-Prognose“, wie es heißt. Exakte Impfdaten könne nur der elektronische Impfpass bieten, der aber noch nicht in jedem Bundesland gleich eingesetzt wird: Im zentralen Register waren vorerst 61.426 Impfungen registriert.

Die Bundesländer bestellen den Impfstoff beim Bund, sind aber selbst für die Verteilung zuständig läuft das überall gleich schnell?

Prozentuell gesehen am besten schneidet Vorarlberg ab, hier wurden 9.425 Menschen geimpft. Das ergibt auf 100 Einwohner gerechnet eine Quote von 2,37. Die weitere Reihung: Wien 25.195 (1,32 %), Kärnten 7.270 (1,3 Prozent), Tirol 9.355 (1,12 % ), Salzburg 6.735 (1,21 %), Steiermark 14.730 (1,18 %), Burgenland 3.450 (1,17 % ), Niederösterreich 15.905 (0,94 %) und Oberösterreich 10.725 (0,72 %)

Kann man sich für die Impfung schon anmelden?

Das ist in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt (Übersicht auf "Österreich impft"). In Wien, Niederösterreich und Vorarlberg starteten die Vormerkungen für alle Interessierte am Montag: In Niederösterreich ließen sich bis Mittag 200.000 Menschen registrieren, in Wien bis zum Nachmittag 263.000. Dies sind Vormerkungen, noch keine fixen Anmeldungen, die Vergabe von Terminen erfolgt nach dem Impfplan des Bundes. Das Burgenland beginnt mit der Registrierung am Freitag.

Die übrigen Bundesländer sind noch nicht so weit: In der Steiermark geht die Anmelde-Plattform für über 80-Jährige, die nicht in Heimen leben, am 25. Jänner online, in Tirol und Salzburg am 1. Februar. Oberösterreich startete mit der Anmeldung für diese Gruppe am 15. Jänner, Kärnten hat am vergangenen Wochenende 1.800 über 80-Jährige geimpft, die Impfaktion ist mit rund 25.000 Anmeldungen ausgebucht.

Wer kommt als Erster dran?

Das ist im Rahmen in der Impfstrategie des Bundes festgelegt, an die sich auch die Länder halten müssen: Den Start machten die Impfungen in Senioren- und Pflegeheimen für Bewohner wie Mitarbeiter gleichermaßen. Ebenfalls gestartete werden konnte zeitgleich jene für über 80-Jährige, die nicht in Heimen leben. In dieser Phase kommen auch Menschen mit Behinderungen oder schweren Vorerkrankungen (z. B. aktive Krebserkrankung, Dialyse) an die Reihe. In der Phase 2 kommen etwa Risikopatienten dazu (z. B. Diabetes), aber auch bestimmte Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur (z. B. Telekomanbieter). Innerhalb dieser Vorgaben sind die Länder aber flexibel: Sie können die Prioritäten selbst festlegen. So war es etwa möglich, dass Kärnten bereits mit dem Impfen der nicht in Heimen lebenden Senioren beginnen konnte. Phase 3 eröffnet dann allen Interessierten den Zugang zur Impfung: Eine Reihung nach Berufsgruppen fällt dabei weg.

Wer hat das System festgelegt?

Die Einteilung erfolgte durch das „Nationale Impfgremium“, das seine Vorgaben erst jüngst adaptierte: Vergangene Woche wurde die Gruppe in Phase 1 um Hochrisikopatienten (mit schweren chronischen Erkrankungen)) und Menschen mit Behinderung erweitert.

Was passiert mit den Impfdosen, die bereitgestellt, aber nicht gebraucht wurden, weil weniger Personen als erwartet geimpft werden konnten?

Sie kommen im Rahmen des Impfplans zum Einsatz, werden also anderen Berechtigte verabreicht. Allerdings kam es da zuweilen schon zu eigenwilligen Umgang mit dem kostbaren Gut: In Salzburg gab es Wirbel um eine Stadträtin, die sich impfen ließ, weil eine Dosis in einem Heim aufgetaut und überzählig war. In Kärnten soll es in Heimen zu Handel mit Impfdosen gekommen sein, woraufhin SPÖ-Landeschef Peter Kaiser den Staatsanwalt einschaltete. Und auch in Oberösterreich gab es Aufregung um einen Bürgermeister, der in einem Pflegeheim mitgeimpft wurde. Die Landesregierung stellte darauf hin klar, dass das so nicht vorgesehen sei.

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