Mathilde Unterrieder hat "VinziLife" 2010 gegründet.

© Elisabeth Holzer

Graz
03/29/2014

Ein Haus für Frauen, die nirgends unterkommen

"VinziLife" nimmt obdachlose Frauen mit schweren seelischen Problemen auf.

von Elisabeth Holzer

Susanne (Name geändert) schiebt die Haare zurück und zieht an ihrer Zigarette. "Wenn die Bilder und die Stimmen kommen, dann wird’s schwierig für mich. Dann weiß ich nicht, was ich tun soll."

Laufen vielleicht, weglaufen. "Glaubst du, du findest auch einen anderen Weg?", fragte Mathilde Unterrieder. Susanne nickt. "Aber oft schalte ich ab und weiß nicht mehr, was ich tu, wenn ich im Tief bin."

Die junge Frau ist eine von acht Bewohnerinnen des "VinziLife" in Graz, einem Haus für Frauen, die sonst nirgends unterkommen. Psychische Beeinträchtigungen von Borderline bis Schizophrenie machen es schwer für sie, in anderen Einrichtungen für Obdachlose Fuß zu fassen. Mathilde Unterrieder hat "VinziLife" 2010 gegründet. "In der Frauennotschlafstelle haben wir Frauen kennengelernt, die psychisch belastet sind. Aber eine Notschlafstelle ist etwas, wo man wieder ausziehen muss."

Umzug

Zunächst hatte man ein Haus in Unterpremstätten bei Graz mit fünf Plätzen, heuer siedelte man nach Graz. Acht Frauen haben hier ihre eigenen Zimmer, ihre Rückzugsmöglichkeit. "Sie können bleiben, solange sie uns brauchen", versichert Leiterin Gerda Preininger. "Wir versuchen, sie zu begleiten, das Haus hat familiären Charakter." Ein wichtiger Punkt unterscheidet "VinziLife" von anderen Einrichtungen: Verweigern die Bewohnerinnen ihre Medikamente, werden sie nicht weggewiesen, solange das halbwegs zu bewerkstelligen ist.

Susanne lebt seit einem dreiviertel Jahr hier. "Meine Familie hat sich nicht mehr getraut, mich heimzuholen. Ich hab’ zu viel Scheiße gebaut." Zu Hause verprügelt, in der Schule gemobbt: Bereits als Kind war sie erstmals in psychiatrischer Behandlung in der Klinik, stationär. "Meine Kindheit hab’ ich dort verbracht."

Die Geschichten aller acht Frauen gleichen einander. "Eine schwere Kindheit war es bei allen, Missbrauch, Vergewaltigung", beschreibt Preininger. "Von klein auf ist ihnen vermittelt worden, du bist nichts wert." In "VinziLife" nehmen die Frauen teil an einem geregelten Leben, wenn möglich, helfen sie bei der Hausarbeit, kochen. Erfolge gibt es, kleine vielleicht, aber doch. Mathilde Unterrieder denkt da an jene Frau, die es schaffte, zwei Jahre lang in einer anderen betreuten Wohneinheit zu leben. "Sie war ein Jahr lang nicht in stationärer Behandlung. Das ist für sie lang."

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